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Christo – Walking on Water

USA, Italien, BRD, Vereinigte Arabische Emirate 2018 Regie: Andrey Paounov 105 Min. FSK ab 0

Dass jede Christo-Installation eine neue Werbe-Dokumentation mit sich bringt, ist Routine. In diesem Genre des „filmischen Kataloges“ zur Aktion stellt „Christo – Walking on Water“ keinen guten Dokumentarfilm dar. Er liefert nur beschränkten Einblick in die Arbeit des Künstlers und einen Abglanz für alle, die nicht persönlich auf goldgelben Pontons über den Lago d’Iseo spazieren konnten.

Ja, der über 80-jährige Wladimirow Jawaschew, wie der weltberühmte Künstler Christo einst hieß, ist ein wahnsinniger Visionär, der sich in der Öffentlichkeit zurückhalten und verkaufen kann. Der gebürtige Bulgare, der mit seiner 2009 verstorbenen Partnerin Jeanne-Claude den Reichstag verhüllte, ein ganzes Tal mit Vorhang ausstattete oder eine Landschaft mit Schirmen dekorierte, kann auch sein Team und Partner in den Wahnsinn treiben, nicht nur wenn er Computer benutzen muss.

So viel zeigt „Christo – Walking on Water“ von der Persönlichkeit des Künstlers Christo während seine letzten Installation „Walking on Water“ im Lago d’Iseo entsteht. Man sieht seine kindliche Freude, als die ersten Schwimm-Elemente ins Wasser gelassen werden und er sich auf dem Ponton im Rhythmus der Wellen wiegt.

Die Projekte von Jeanne-Claude und Christo wurden immer von Büchern und Postern finanziert, sowie von einer filmischen Auswertung begleitet. Die verstorbenen Albert und David Maysles dokumentierten fünf Christo-Projekte, neben dem wunderbaren „Umbrellas“ auch Valley Curtain, Running Fence, Islands und Christo in Paris. Nun übernahm der bulgarische Regisseur Andrey Paounov den Job und der Film zu einer faszinierenden Aktion enttäuscht.

Die übliche Dramaturgie mit ersten Entwürfen, Problemen bei den Behörden und einer Fast-Katastrophe – diesmal durch enormen Besucherandrang – zeigt sich in Bezug auf Christos Kunst völlig unreflektiert. Dass keine klassischen Interviews vorkommen, ist zwar angenehm, verhindert aber auch die Annäherung an die Person Christos. Und es gäbe Einiges zu Besprechen: Die schmerzliche Abwesenheit von Partnerin Jeanne-Claude wird nur durch die häufige Erwähnung ihres Namens deutlich. Zwar ist „Walking on Water“ zeitweise auch witzig und mit der Nebenfigur von Christos Neffen und Manager Vladimir Yavachev unterhaltsam. Gelungen und besonders aber nur, wenn der Film die Menschen auf dem Wasser in Interaktion mit dem Kunstobjekt zeigt. Das Glück, die verspielte Freude angesichts eines wirklich einmaligen, 16-tägigen Kunstwerks.


Ein FILMtabs.de Artikel