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Dumbo

USA 2019 Regie: Tim Burton, mit Colin Farrell, Danny DeVito, Eva Green, Michael Keaton 112 Min. FSK ab 6

Disney setzt die Realverfilmungen seiner Zeichentrick-Klassiker nach „Die Schöne und das Biest“ und „Cinderella“ nun mit dem 78-jährigen „Dumbo“ fort. Regisseur Tim Burton hat nicht nur Disney-Erfahrungen seit „Alice im Wunderland“ (2010), er wuchs geradezu in Symbiose mit dem Animations-Konzern auf. Trotzdem zeigt das eindrucksvolle Trickspektakel mit dem rührenden Elefanten nichts mehr vom abgründigen Stil Burtons.

Die Handlung um den kleinen Elefanten mit den zu großen Ohren musste in der fast verdoppelten Filmlänge angereichert werden: Danny DeVito – einst Pinguin in Burtons „Batman“ – gibt nun den trickreichen Zirkusdirektor Max Medici. Seine Show hat schon bessere Zeiten gesehen. Überhaupt ist dies eine schwierige Welt für Erwachsene und Kinder, mit Armut, den Kriegstraumata und den Folgen der Spanischen Grippe, mit seelischen und körperlichen Verstümmelungen. Zudem erweist sich Max’ letzte Investition in ein Elefanten-Baby als Pleite, denn der süße Kleine kommt mit Riesen-Ohren zur Welt. Der ehemalige Dressurreiter-Star Holt Farrier (Colin Farrell), der mit einem Arm weniger aus dem Krieg kam, soll nun die Elefanten übernehmen. Seine Kinder Milly (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) fühlen sich besonders zum Dumbo genannten Tier hingezogen, weil es auch ohne Mutter zurecht kommen muss.

Zwar entdecken die Kinder bald, dass Dumbo mit seinen riesigen Ohren fliegen kann, doch wie Milly scheut der Kleine Menschenmassen. Dumbo ist ein menschenscheues, sensibles Wesen wie „Edward mit den Scherenhänden“ und all die anderen Button-Kreaturen. Es dauerte auch nicht lange, bis die hässliche Volksfratze mit Verachtung für alles, was anders ist, ihn verlacht. Als der schmierig schillernde Unterhaltungs-Entrepreneur V.A. Vandevere (Michael Keaton) den ganzen Zirkus aufkauft und in eine Art Disneyland bringt, bleibt jedoch kein Platz mehr für solche Regungen. Dumbo muss als neue Sensation kapitalistisch ausgebeutet werden.

Mit viel Bewegung und Details zaubert Tim Burton ein mitreißendes Kaleidoskop der Zirkuswelt – eigentlich eher das Territorium von Baz Luhrmann („Moulin Rouge“, „Der große Gatsby“). Er liefert in ausgewählten Szenen eine Hommage an den alten „Dumbo“-Zeichentrick von 1941, der nach einer Kurzgeschichte von Helen Aberson und Harold Pearl entstand. Der neue erzählt eine weiterführende Geschichte mit dem modernen Thema des Erfolgs in der Öffentlichkeit. Auch der Umgang mit Tieren im Zirkus wird heutig kritisch gezeigt.

Obwohl mit seinem festen Haus-Komponisten Danny Elfman und Michael Keaton, dem alten Bekannter aus Burton-Filmen wie „Batman“, alles wie immer scheint, fehlt bei der großen Hollywood-Show um rosa Elefanten das Abgründige von Burton. „Dumbo“ ist kein „Elefantman“ für Kinder. Was eigentlich verwundert: Burton ist zwar als Nachbar der Disney-Studios im kalifornischen Burbank aufgewachsen, hat dort Animator gelernt und seine ersten Filme (u.a. „Vincent”) gemacht. Aber seine schaurig-schönen frühen Erfolge wie „Beetlejuice“ (mit Michael Keaton) oder „Nightmare before Christmas“ sind exakt das Gegenteil von Disneys Süßlichkeit. Doch für die Fantasie von Tim Burton sind die reichen Mittel des Medien-Giganten ideal. Mit den digitalen Trick-Möglichkeiten lässt sich Alles auf die Leinwand zu bringen – selbst fliegende Elefanten-Babys. Und wenn der Film „Dumbo“ für die Flugszenen eindrucksvoll abhebt, schafft Burton in den besten Momenten, was selbst den gerissenen Geschäftsmann verwandelt: Man wird wieder staunendes Kind.


Ein FILMtabs.de Artikel