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Iron Sky: The Coming Race

Finnland, BRD, Belgien 2019 Regie: Timo Vuorensola, mit Udo Kier, Julia Dietze, Lara Rossi, Vladimir Burlakov, Tom Green 93 Min. FSK ab 12

Es gibt gerade unter den Filmen, die sich notwendigerweise mit alten und neuen Nazis beschäftigen, eine extreme Formenvielfalt: „Willkommen in Marwen“ von Robert Zemeckis verlegt die Bewältigung brutaler Neonazi-Gewalt in eine digitale Traumwelt. „Wintermärchen“ verirrt sich aufs Unangenehmste in lächerliche Psycho-Spielchen. Und „Iron Sky“ … handelt die Mond-Nazis ab! Eigentlich eine Fußnote des Obskuren, ein extremer Randbereich des Trash-Kinos. Doch das deutsche „Wintermärchen“ ist so furchtbar, dass der doppelte Hitler von Udo Kier mit Steve Jobs von Apple als Alien-Scherge des Bösen plötzlich unterhaltsam wird.

Die Chinesen haben gerade erst eine Raumsonde zur Rückseite des Mondes geschickt, um sie aufzuspüren: Die Nazis, die dort in einer Mondstation überlebt haben. (Dabei ist das Klima in Teilen Deutschlands für sie doch viel angenehmer!) So jedenfalls die abgedrehte Idee, mit welcher der Finne Timo Vuorensola seinen ersten „Iron Sky“ an die Fans brachte. Nun ist die Erde nach einem Atomkrieg endgültig unbewohnbar und ein Raumschiff rettet sich zur Nazi-Station, die mittlerweile von Überlebenden des ersten Films bewohnt wird. Die junge Obi Washington (Lara Rossi) schmeißt den Laden und muss direkt mal zur Erde düsen. Die ust nämlich hohl und in ihrem Kern schlummert eine unerschöpfliche Energie-Quelle – der heilige Gral. Bewacht von den größten Verbrechern der Weltgeschichte. Nero, Stalin, Hitler, Thatcher, Putin, Religionsführer und Steve Jobs sitzen am Tisch des letzten Abendmahls und sind eigentlich Aliens, die seid Jahrtausenden Menschen aufeinander hetzen.

Klar, hier stolpert eine bescheuerte Idee über die nächste. Auf die Handlung wurde nicht mehr Mühe verwandt, als auf den nächsten digitalen Trick aus dem Heim-Computer. Adolf Hitler reitet auf einem T-Rex und Apple wurde zur Religion. Auch wenn witzige Sprüche der Produktion wohl ganz wichtig waren, sieht der Rest gar nicht so billig aus, wie es sich für einen Trash-Film gehört. Und Religionen als Massenvernichtungs-Mittel oder digitale Spielzeuge als Versklavung der Menschheit sind ja gar nicht so dumm gedacht. Echte Provokationen fehlen – außer man empfindet ein Wagenrennen hinter Dinosauriern als Angriff auf den guten Geschmack.


Ein FILMtabs.de Artikel