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Die Frau des Nobelpreisträgers

Großbritannien, Schweden, USA 2017 (The Wife) Regie: Björn Runge, mit Glenn Close, Jonathan Pryce, Christian Slater, Max Irons, Annie Starke 100 Min.

Wieder bekommt ein Mann den Literatur-Nobelpreis. Doch diesmal liegt die Geschichte anders, die Frau an seiner Seite spielt eine ganz besondere Rolle. Glenn Close brilliert als „Die Frau des Nobelpreisträgers“ in einem sehr zeitgemäßen Film über noch eine eigentliche Autorin.

Das alte Ehepaar Joan (Glenn Close) und Joe Castleman (Jonathan Pryce) wirkt in seiner Morgenroutine sehr gewöhnlich, bis ein Anruf aus Schweden die Sensation bringt: Joe erhält den Literatur-Nobelpreis. Begeistert wird auf dem Bett gehüpft, dann übernimmt Joan wieder, wohl wie gewohnt, die Regie: Es sei Zeit, sich anzuziehen. Wahrscheinlich gäbe es heute noch ein paar Termine. Was wohl so passiert, bis der schwedische König in Stockholm den Preis überreicht, verfolgt der Film nach dem Roman der US-Autorin Meg Wolitzer (deutsche Ausgabe: „Die Ehefrau“) nun. Ein halb würdevoller, halb kindischer Autor empfängt seinen Verleger und Freunde. Die Kinder sind auch dabei. Joan korrigiert noch mal die Inszenierung fürs Foto. Dann geht es mit der Concorde nach Europa, der Film spielt im Jahr 1992. Der aufdringliche Biograf Nathaniel Bone (Christian Slater) nervt schon wieder. Das Protokoll in Stockholm schiebt Joan ins Damenprogramm ab.

Zwischendurch gibt es Erinnerungen an die Anfänge ihrer Beziehung und seiner Karriere vor fast 40 Jahren: Die junge Joan, gespielt von Glenn Closes Tochter Annie Starke, verliebt sich in ihren verheirateten Literatur-Professor Joe Castleman. Was man im „Heute“ des Films nicht ahnen kann, die Frau des Nobelpreisträgers hat einst selbst geschrieben. Doch eine ältere Dichterin gibt ihr bitter den Tipp, sie solle daraus auf keinen Fall eine Karriere machen wollen. So wird Joan in den 50er Jahren die „Frau an seiner Seite“. Sie korrigiert und inspiriert ihren Mann, gebiert die Kinder, schmeißt den Haushalt. Er wird derweil immer erfolgreicher.

Während der Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten in Stockholm eskaliert nicht nur Joes schwieriges Verhältnis zum Sohn David (Max Irons), selbst Schriftsteller. Der stolze Preisträger kennt den Namen einer seiner Figuren nicht und nach den drängenden Fragen des Biografen Nathaniel Bone macht sich Joan selbständig.

Es ist ein idealer Zeitpunkt für das Thema Literatur-Nobelpreis und Frauen: Vor kurzem wäre wieder ein Literatur-Nobelpreisträger, höchstwahrscheinlich erneut ein Mann, bekannt gegeben worden. Wäre nicht #metoo und das Ausräumen von übergriffigen Gremiums–Mitgliedern in der für diesen Nobelpreis zuständigen Schwedischen Akademie dazwischen gekommen. Und so zeigt „Die Frau des Nobelpreisträgers“ parallel zu „Colette“ im Kino nebenan, nach „Mary Shelley“ (letzte Kinowoche), „Die Poesie der Liebe“ und „Astrid“ (Lindgren), dass Schriftstellerinnen nicht nur gleichwertig, sondern eigentlich besser sind.

Konsequenterweise ist dies denn auch der Film von Glenn Close. Jonathan Pryce ist nur der eher lächerlich eitle Mann an ihrer Seite. Wie in der Fernsehserie „Damages“ und in vielen ihrer Rollen übernimmt Close überzeugend die Regie. Was dem schwedischen Regisseur Björn Runge nichts nehmen soll, gewann er doch auch schon 2004 einen Silbernen Bären für sein Drama „Om jag vänder mig om“. Doch um im Thema zu bleiben und dem auffordernden letzten Blick von Joan / Close in die Kamera zu beantworten, sei auch erwähnt, dass die ebenso feinen wie pointierten Dialoge aus der Feder von Drehbuchautorin Jane Anderson („Ein amerikanischer Quilt“) stammen. Die Zusammenarbeit ergibt einen überraschenden und eindringlichen Film über literarische und gesellschaftliche Rollen.


Ein FILMtabs.de Artikel