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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

USA 2018 (Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald) Regie: David Yates, mit Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Jude Law, Johnny Depp, Alison Sudol, Ezra Miller, Zoë Kravitz 134 Min. FSK ab 12

Selbst Muggel, denen das ganze Getue um Harry Potter ziemlich egal war, wurden vor zwei Jahren durch „Phantastische Tierwesen“ verzaubert. Eine Randnotiz der Harry Potter-Romane J. K. Rowlings geriet zum großartig fantastischen und psychologisch spannenden Abenteuer. Jetzt kommen für den zweiten Teil auch noch Johnny Depp und Jude Law hinzu.

Das Ende des ersten Films machte sehr neugierig: Blitzte doch unter der Maske des mächtigen Dunklen Zauberers Gellert Grindelwald das Gesicht Johnny Depps auf. Der wurde zwar vom MACUSA (Magischer Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika) mit der Hilfe von Newt Scamander (Eddie Redmayne) festgenommen. Aber die zu erwartende Flucht wird in den ersten Minuten des zweiten Teils „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ als großes Action-Kino erledigt. Es geht um den auch aus anderen Filmen wie „X-Men“ bekannten Konflikt: Wie gehen Mehr- und Minderheit miteinander um. Ko-Existenz oder Unterdrückung? Sprich: Grindelwald will die Herrschaft reinblütiger Zauberer über alle nichtmagischen Wesen.

Johnny Depp verlässt hier für seinen Ober-Schurken die üblichen Pfade der bösen Standard-Figur: Nicht Gewalt, sondern Verführung macht ihn mächtig und die Figur mit einer grimmigen Nonchalance ambivalent. Eine von mehreren starken Szenen passt ins Lehrbuch demagogischer Politik: Eine Versammlung von Reinblütigen auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise mit Nazi-Uniformen im Publikum gerät zum inszenierten Massaker. Hier wird mit aktuellem Bezug auch explizit gezeigt, wie eine „Politik der Unterdrückung und Gewalt immer mehr zum populistischen Verführer treibt“, mit drohenden Totalitarismus und Genozid.

Besonders reizvoll an dieser erwachsenen Erzählung ist das Verhältnis von Grindelwald zu Albus Dumbledore, hier in jungen Jahren in Hogwarts von Jude Law gespielt. Die beiden verband einst eine Jugendliebe, Dumbledore ist also schwul. Eigentlich eine Nebensächlichkeit, die allerdings einige seltsame Anhänger von „Harry Potter“ zu unschönen Reaktionen brachte.

Das gegnerische Team besteht wieder aus Newt, dem witzigen Muggel Jacob, der klugen Tina und ihrer naiven Schwester Queenie. Selbstverständlich gibt es im Paris von 1927 reichlich seltsame Geschöpfe. Altbekannte und neue, wie einen chinesischen Feuerdrachen. Das passt alles locker in Newts Koffer, aber nicht unbedingt in einen Film.

Erneute inszenierte David Yates und auch für „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ schrieb J.K. Rowling ein Original-Drehbuch. Doch der zweite Teil leidet an Überfüllung, die symptomatisch ist für größenwahnsinnige Filmreihen. Wie Marvel sein Universums-Gedöns propagiert, preist Warner Bros. nun „Phantastische Tierwesen“ als fünfteilige Geldmaschine, als „Wizarding World“ an. Die Bemühungen, erst mal noch EINEN guten Film zu machen, haben darunter gelitten. Außerdem ist „PT 2“ ein typisches Zwischenstück mit viel zu vielen Anfängen von Handlungsfäden, die in den nächsten Film fortgeführt werden. Eine beeindruckende, aber ermüdende Fülle an raschen Entwicklungen, Familiengeschichten wie aus einer Soap, verrückten Ideen und faszinierenden Kreaturen. Bei allem Hokuspokus birgt das vor allem einen starken humanistischen Kern. Mit großem Herz für Sonderlinge. Und Newt als Vorbild – milde den Wütenden gegenüber, verständnisvoll den Bösartigen. Schließlich als Versprechen für noch mehr Aufregung, die Enthüllung, wer der extrem wütende Credence (intensiv: Ezra Miller) wirklich ist.


Ein FILMtabs.de Artikel