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Swimming with Men

Großbritannien 2018 Regie: Oliver Parker mit Rob Brydon, Adeel Akhtar, Daniel Mays, Jim Carter, Rupert Graves 103 Min. FSK ab 0

In britischen Komödien lassen Männer, die untergehen, gerne mal die Hosen runter, und schon haben sie als Stripper in „Ganz oder gar nicht“ einen Riesenerfolg. Nun drohen sechs Briten in der Eintönigkeit des etablierten Lebens zu versinken und gehen deshalb ins Wasser. Ins Badewasser, um als Synchronschwimmer die Lebensfreude wiederzufinden.

Eric (Rob Brydon) arbeitet als erfolgreicher Zahlenschieber bei einer großen Steuerberatungs-Kanzlei. Dass er dabei nicht glücklich ist, zeigt vor allem seine unmotivierte Eifersucht gegenüber der Ehefrau, die gerade in die lokale Politik einsteigt. Aus nichtigem Anlass explodierend, schmeißt Eric sich selber aus der Wohnung und quartiert sich im Hotel ein. Die Augen öffnen ihm ein Trupp witziger Männer am Beckenboden des Schwimmbades, als Eric beim Schwimmtraining tatsächlich unter Wasser die Augen öffnet. Mehrmals sieht er diese komischen Gestalten noch komischere Dinge tun, bis sie ihn einladen, bei ihrem Synchron-Training mitzumachen. Angeblich, weil ihnen für eine der kläglichen Formationen ein Mann fehlt.

Es kommt, wie es schon öfter kam: Eric lebt in dieser gemischten Männertruppe wieder auf. Die inoffizielle Weltmeisterschaft in Italien ist ein Finale, die Wiederherstellung der Ehe das eigentliche Ziel. Das kennt man fast genau so von der unübersehbaren schwedischen Inspirations-Quelle „Männer im Wasser“ aus dem Jahr 2010. Und wie im Wasser-Becken sind die Schweden auch beim Film etwas besser: Das Original arbeitete die Beziehungsprobleme der Hauptfigur dramatischer aus. Vor allem die Trennung vom Kind sorgte für Aufregung und Herzschmerz. Hier ist der Sohn für Eric nur ein besserer Stichwortgeber. Doch, wie betont es schon Luke (Rupert Graves) bei der Taktik-Besprechung, beim „Schwimmen mit Männern“ soll eher intuitiv ohne große Erklärung verstanden werden.

Vor allem aber, und das ist das Neue an diesem freien Remake, geht es nicht mehr um den kreativen Aufschrei der Verlierer. Bei „Swimming with Men“ müssen die Erfolgreichen mal gegen den Strom schwimmen. Ausbrechen, um sich selbst wieder zu finden. Denn bei den Karrieren der Männer ist etwas Wichtiges auf der Strecke geblieben. Hier schwindet der Selbstrespekt nicht, weil „mann“ keine Arbeit mehr hat, sondern weil man zu viel und zu gut den falschen Job macht. Als Zahlenschieber beim Steuerberater oder als Zahnarzt. Ok, den kleinen Gauner in der Truppe, der auf der Flucht vor der Polizei untertauchen muss, lassen wir mal als Ausnahme durchgehen.

Trotzdem bleibt der spaßige und in seinem Aufrütteln auch Ernst zu nehmende „Swimming with Men“ ein feuchter Abklatsch vom Übervater dieser „Dir geht’s richtig mies, mach was Verrücktes“-Filme, der großartigen Strip-Show „Ganz oder gar nicht“. Als Verbeugung sieht „Silent Bob“ hier aus wie Robert Carlyle aus der Originalbesetzung. Überzeugen und amüsieren kann durch den stoischen Ausdruck eines entseelten Lebens vor allem der eher unbekannte Rob Brydon als Hauptfigur Eric. Begleitet wird er von einem halben britischen All-Star-Cast: Der rundliche Jim Carter („Downton Abbey“) gibt den ruhigen Senior, von dem man am Rande erfährt, dass er seit kurzem Witwer ist. Rupert Graves, der Kommissar aus „Sherlock“, ist der gutaussehende Immobilien-Makler, der eine Ersatzfrau sucht. Adeel Akhtar („Four Lions“) ist der Zahnarzt Kurt, der immer wieder mit neuen Fähigkeiten überrascht. Den Chaot Tom spielt der junge Thomas Turgoose aus „This is England“. Regisseur Oliver Parker begeisterte bei der Wilde-Verfilmung „Ernst sein ist alles“ mit Reese Witherspoon schon mal mehr, und auch seine Actionkomödie „Johnny English – Jetzt erst recht“ war einiges flotter. Doch unterhaltsam ist „Swimming with Men“ auf jeden Fall.


Ein FILMtabs.de Artikel