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Tully

USA 2018, Regie: Jason Reitman. Darsteller: Charlize Theron, Mackenzie Davis, Mark Duplass. 95 Min.

Mit »Juno« porträtierten Drehbuchautorin Diablo Cody und Regisseur Jason Reitman vor zehn Jahren eine junge Frau auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. »Young Adult« handelte drei Jahre später von einer Frau, die nicht erwachsen werden wollte. Für Marlo, die Protagonistin ihrer dritten Zusammenarbeit, gibt es keinen Ausweg mehr. Ein Reihenhaus, zwei Kinder, eins auf dem Weg – man sieht der Mittvierzigerin an, dass sie sich von einem glamouröseren Lebensentwurf längst verabschiedet hat. Marjo ist konstant übermüdet, gestresst und latent frustriert. Trotzdem jongliert sie die Kinder und den Haushalt, stellt sich der Direktorin der Schule, wenn der Jüngste mal wieder einen seiner Anfälle hat, und versackt abends bei Reality-Shows, während ihr liebenswerter, aber weitgehend unbeteiligter Mann oben Ego-Shooter zockt. Als das Kind zur Welt kommt, wird ihr schließlich alles zu viel. Marlo nimmt widerwillig das Angebot ihres wohlhabenden Bruders an. Sie stellt eine Night-Nanny an, die sich über Nacht um das Baby kümmert. Nicht nur der Schlaf und die aufgeräumte Wohnung tun Marjo sichtlich gut, es sind auch die Gespräche mit der jungen Tully, die ihr wieder Lebensmut geben. In den langen Gesprächen wird sich Marlo den verpassten Chancen bewusst, lernt aber auch ihr Leben schätzen. Bis eine nächtliche Sauftour durch Brooklyn der Beziehung eine unerwartete Wendung gibt. Bereits in »Young Adult« bewies Charlize Theron absolutes Vertrauen in Codys Charaktere und Reitmans Regie, gab ihre Figur bei allen Eskapaden aber nie der Lächerlichkeit preis. Auch Marlo ist eine starke Figur, facettenreich geschrieben und nuanciert gespielt. Theron gibt sich keine Blöße. Die Folgen von Mutterschaft und Schlafentzug sind ihr in die tiefen Augenringe geschrieben. Aber auch die psychischen Folgen behandelt »Tully« überzeugend.


Ein FILMtabs.de Artikel