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The 15:17 to Paris

USA 2017 Regie: Clint Eastwood, mit Spencer Stone, Anthony Sadler, Alek Skarlatos, Mark Moogalian 94 Min., FSK ab 12

Clint Eastwood ist einer der intelligentesten alten Männer, die mit Stühlen sprechen. Und reaktionärer Waffenfan. Nun hat der Regisseur nach einer langen Reihe von erstaunlichen bis sehr guten Filmen mit „The 15:17 to Paris“ filmisch etwas ähnlich Dämliches abgeliefert, wie öffentlich mit einem Stuhl zu sprechen. Die Geschichte von drei US-Hohlköpfen, die mit all ihren Muskel und ihrer Ausbildung zum Morden in einem Schnellzug nach Paris 2015 zufällig einen Attentäter überrumpelten, wird genau von diesen drei US-Hohlköpfen gespielt. Und – Überraschung! – Schauspielen können sie auch nicht.

Der deutsche Verleih wollte „The 15:17 to Paris“ vor der Presse verstecken, obwohl er schon überall auf der Welt gefloppt ist. Doch dieses Attentat auf den guten Film-Geschmack und den Weltfrieden ist unaufhaltbar: Clint Eastwood lässt nicht nur das, was am 21. August 2015 im Zug passierte, von den tatsächlichen Akteuren nachspielen, er fügt auch noch die Lebensgeschichte der drei amerikanischen Freunde Spencer Stone (Spencer Stone), Anthony Sadler (Anthony Sadler) und Alek Skarlatos (Alek Skarlatos) seit ihrer Schulzeit hinzu. Die drei waren nicht besonders helle Schüler, aber Spencers Mama vertraut in der Schul-Sprechstunde auf „ihren Gott“. So entwickeln sich kleine Waffenfans, die dauernd aus dem Unterricht fliegen. Immer wenn einen diese seltsame Jungs-Biografie zukünftiger Militaristen langweilt, werden ein paar Sekunden von dem eingeblendet, um was es eigentlich geht.

Stone, der noch am ehesten als Schauspieler durchgehen kann, wird mit seinem mächtigen Kinn und einer erstaunlichen Unbedarftheit zur Hauptfigur. Wobei mit sich beim Altern nicht viel ändert, auch als Soldat ist Stone zu spät und muss diszipliniert werden. Dann folgen nichtssagende Reisefilmchen aus Rom, Venedig, Berlin und Amsterdam mit viel Alkohol und anderen Drogen. Bevor das Ende mit einer Viertelstunde Action die drei „Helden“ gebiert.

Was bei Eastwoods Pilotenfilm „Sully“ noch kritisch nachbetrachtet wurde, ist hier ein distanzloses (in Kamera und Haltung) Abfilmen des unweigerlichen Buches der drei. Eastwood will uns allen Ernstes erzählen, dass schlechte Schüler, die ihr Leben lang nur Blödsinn im Kopf haben, mit ihrer ganzen Waffen- und Kriegsbegeisterung eines Tages etwas Gutes für die Gesellschaft tun werden. Nämlich einen arabisch aussehenden Menschen niederringen, der zu lange auf Toilette war. Ganz böse gesagt. Was tatsächlich interessant wäre, die Gründe und das Vorlebens des Attentäters, bleibt völlig ausgeblendet.

Der große Regisseur Eastwood entdeckte selbst in der Massenschlachterei von Iwo Jima bei seinen zwei Filmen darüber etwas Menschlichkeit. Seine reiche Filmographie hätte einiges zu seiner Verteidigung anzuführen. Doch das wären zu viele Worte für dieses in jeder Hinsicht unnötige Filmchen.


Ein FILMtabs.de Artikel