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Star Wars: Die letzten Jedi

USA 2017 (Star Wars: The last Jedi) Regie: Rian Johnson mit Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Anthony Daniels 151 Min.

Spielen wir mal Science Fiction, nehmen wir an, jemand hätte die letzten Kino-Jahrzehnte krypto-verschlafen. Dabei zwar in den vergangenen Monaten als Science Fiction-Fan einiges Aktuelles gesehen, und dann jetzt dieser „Star Wars“. Wie würde jemand, der einfach einen guten Film sehen will, das erleben und der seltsamen Aufregung um ihn herum trotzen können?

„Star Wars: Die letzten Jedi“ zeigt als Vorspeise direkt gewaltige Feuerkraft in einem Weltall-Gefecht. Die letzten der Rebellen – heute würde man Terroristen sagen – versuchen der Übermacht einer kalten Diktatur zu entkommen. Autor und Regisseur Rian Johnson, der für diesen Mittelteil der dritten Trilogie mal kurz mit Star Wars spielen darf, vermischt flott Comedy und Märtyrertod. Es fängt eigentlich wieder mit dem klassischen Finale an, ein übermütiger X-Wing-Pilot zerstört ein riesiges Schlachtschiff.

Nach fast einer Stunde springt etwas Handlung an: Während die Nebenfiguren, die jungen Rebellen aus Teil VII auf der Suche nach einem Hacker in einem intergalaktischen Las Vegas voller kreatürlicher Waffenhändler landen, geht den letzten drei Widerstands-Schiffen auf der Flucht der Treibstoff aus. Doch das Herz der Geschichte, in der das Wort „Hoffnung“ fast so oft fällt wie „Jedi“, ist der mythische Lehrgang der jungen Rebellin Rey (Daisy Ridley) beim unwilligen Meister Luke Skywalker (Mark Hamill). Er will von den Jedis nichts mehr wissen und knabbert noch an seinem Anteil an dieser komplizierten Familiengeschichte mit einigen schwarzen Schafen.

Da die sich schon über einige Generationen und Galaxien spannt, sind neben den finanziellen (wegen Disneys Milliarden-Kauf von Star Wars) auch die Erwartungen an haufenweise Figuren und deren Nachwuchs zu erfüllen: So gibt es nach der geradezu albernen Retro-Hymne von Komponist John Williams noch immer diese schräge Schrift mit dem Märchen aus einer fernen Galaxie. Während Wiedersehen mit Luke, Prinzessin Leia (Carrie Fisher), sogar Meister Yoda und R2 gefeiert werden, kommt die Handlung nur schleppend in die Gänge.

Die Kraft („The Force“) wird dabei esoterisch, was in einer metaphysischen Verbindung zu spannenden telepathischen Gespräche zwischen den neuen Antagonisten Kylo Ren (Adam Driver) und Rey (Daisy Ridley) führt. Überhaupt gibt es erstaunlich viel Dialog, das Gute und das Böse sind ungewöhnlich ambivalent. Was auch Lichtgestalt Luke mit einschließt. Aber selbstverständlich kommen die Lichtschwerter nicht zu kurz, wobei eine asiatisch beeinflusste Kampfeinlage mit roten Samurai und viel anderem Lichtwaffen-Gedöns eindrucksvoll den Anfang vom Ende einläutet. Das kann sich ansehen lassen, selbst wenn man kein Fan ist.

Rot dann auch der ästhetisch beeindruckende Akzent im Finale auf einem Salz-Planeten. Rian Johnson gelingt vor allem dort ein großes, bewegendes Finale, ein atemberaubendes Schlussbild mit gewaltigem Cliffhanger, den er seinem Vorgänger und Nachfolger J.J. Abrams für dessen Abschluss der dreifachen Trilogie hinterlässt. Eine wirkliche Hoffnung für die eher simpel strukturierte und racheversessene Kinolandschaft liegt im Schlusswort: Wir bekämpfen nicht, was wir hassen, sondern wir retten, was wir lieben!


Ein FILMtabs.de Artikel