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Die Unsichtbaren – Wir wollen leben

BRD 2017 Regie: Claus Räfle mit Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee, Aaron Altaras, Victoria Schulz, Florian Lukas, Andreas Schmidt 110 Min. FSK: ab 12

Das bewegende Doku-Drama re-inszeniert vier Geschichten von jungen Berliner Juden, die vor den tödlichen Transporten der Nazis untertauchten: Cioma Schönhaus gibt kurz vor dem Abtransport vor, dass er in einem kriegswichtigen Betrieb unabkömmlich sei. Mit weiteren Tricks wechselt er als angeblicher Soldat auf Heimaturlaub die Wohnungen. Dabei fälscht er nicht nur seinen eigenen, sondern auch viele andere Pässe. Aus Hanni Lévy wird mit blonden Haaren Hannelore Winkler. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Schwarzmarkt-Delikatessen serviert.

Regisseur Claus Räfle und seine Ko-Autorin Alejandra López haben die vier Überlebenden schon 2009 für einen anderen Film interviewt. Nun erzählen sie vor der Kamera, während Schauspieler die Erinnerungen nachspielen. So ist „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ in den Spielszenen ein spannend gestalteter Historienfilm, der seine Glaubwürdigkeit von den Gesichtern und den Stimmen der Überlebenden erhält. Das ist auch mit ein paar historischen Aufnahmen so gelungen, dass es in die Zeit hineinzieht. Dabei passt die Wahl der Schauspieler gut, vor allem der gewitzte Fälscher Cioma Schönhaus scheint als alter Mann und von Max Mauff als Untergetauchter dargestellt eine Person zu werden. Vor allem vermittelt das im Kino seltene Format des Doku-Dramas unter Ausblendung des wirklichen Horror des Holocaust, der nur eine Ahnung bleibt, die allgegenwärtigen Ängste, die dauernden Lügen und Verstellungen der „Unsichtbaren“.


Ein FILMtabs.de Artikel