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Vorwärts immer!

BRD 2017 Regie: Franziska Meletzky mit Jörg Schüttauf, Josefine Preuß, Jacob Matschenz, Devid Striesow 98 Min. FSK: ab 12

Wie war das eigentlich mit dem so wunderbar friedlich verlaufenden Ende der DDR im Oktober 1989? Trotz Panzer, die in Richtung der Leipziger Montagsdemonstrationen rollten, wohl das vor allem komisch, wie die Klamotte „Vorwärts immer!“ erzählt:

Alles ging gut, weil im Leben von Anne (Josefine Preuß) einiges schief lief. Die Schauspielschülerin lebt mit ihrem Vater, dem angesehenen DDR-Schauspieler Otto Wolf (Jörg Schüttauf) allein in Ost-Berlin, nachdem ihre Mutter in den Westen „rübergemacht“ hatte. Doch Mama schickte schon Geld für einen West-Pass und jetzt ist Anne auch noch schwanger. Ausgerechnet von Matti (Marc Benjamin), dem Sohn von Ottos ärgstem Feind und Schauspielerkollegen Harry Stein (Devid Striesow). Wie Papa Otto verständnislos den wertvollen West-Pass zerreißt und Anne darauf für einen neuen nach Leipzig abhaut, ist vor allem wegen der Stasi-Leute komisch, die alles mit Kamera beobachten. Denn Otto probt gerade ein riskantes neues Stück, in dem er Erich Honecker spielt. So täuschend echt, dass die Überwacher tatsächlich glauben, was sie sehen.

Die DDR ist im Aufruhr, es gibt Demonstrationen und Ratlosigkeit im Staatsrat. Dank eines Doppelspitzels in Ottos Theatertruppe bestätigt sich das Gerücht, dass die Führung in Leipzig auf ihr Volk schießen lassen will. Die chinesische Lösung – siehe Tiananmen-Platz. Damit nicht auch auf Anne geschossen wird, muss Otto seine Honecker-Rolle nun im Politbüro aufführen: Nur dort steht ein Telefon, mit dem er den Schießbefehl rückgängig machen könnte. Der echte Honecker ist auf einem Jagdausflug in sicherer Entfernung. Dabei gilt vor allem: Nur nicht Margot begegnen!

Klar, das Vorbild dieser laschen Polit-Klamotte ist Ernst Lubitschs unerreichtes Meisterwerk „Sein oder Nichtsein“ aus dem Jahre 1942, in dem polnische Schauspieler die Rollen ihres Lebens spielen, um der SS zu entgehen. „Einen Lacher soll man nie verachten“, hieß es damals rechtschaffen und genial. Nun eignet sich der nuschelnde Erich Honecker ebenso für Satire.

Er ist ein enormer Trottel, der unter der Fuchtel von Margot steht. Überhaupt besteht das ganze realitätsferne Politbüro aus Witzfiguren, was es einfach und nie spannend macht, die Macht an der Nase herum zu führen. Nein, die „Stromberg“-Regisseurin Franziska Meletzky ließ keinen Lacher liegen, egal ob platt oder auch mal treffend. Die Chance, einen durchgehend guten Film zu machen, ließ sie allerdings links – oder rechts – liegen. Echte Menschen blitzen hinter dem Boulevard-Personal nie auf. Dass Anne und ihre Freunde von der Stasi gejagt auf Widerstand machen, ist nur schleppende Parallelhandlung. Zu sehr verlässt sich „Vorwärts immer!“ auf sehr gute Schauspieler, die Schauspieler spielen, die Politdarsteller doubeln. Neben Jörg Schüttauf, der vor allem im Aufeinandertreffen von Otto und Erich brilliert, hat Hedi Kriegeskotte als Margot Honecker die mit Abstand beste Rolle. Wie sie am Fernseher dem ausgewiesenen Biermann hinterher weint und gleichzeitig mit harter Hand die Witzfiguren der Führung kommandiert, mehr davon würde eine richtig gute Polit-Komödie machen.


Ein FILMtabs.de Artikel