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Überflieger – Kleine Vögel, großes Gek lapper

BRD, Belgien, Luxemburg, Norwegen, 2017 Regie: Toby Genkel, Reza Memari 84 Min. FSK: ab 0

In der weltweiten Trickfilm-Produktion hechelt trotz des technischen Vorsprungs alles Disney & Co hinterher. Große japanische Animationskunst oder Höhepunkte französischer Zeichentrickfilme gehen mangels Werbeetat meist unter. Von deutschen Bemühungen ganz zu schweigen. Nur der Belgier Ben Stassen kann aus der Dritten Welt des Trickfilms etwas mithalten. So fällt auch bei der neuen europäischen Koproduktion „Überflieger“ direkt die hölzerne Gestaltung der Vogelfiguren auf. Erschreckend für Kinder mag auch sein, wie der Spatz Richard in einer heftigen Anfangsszene direkt zum Waisen wird. Adoptiert von einer Storchen-Familie steckt Richard schnell in einer Geschichte vom hässlichen Entlein drin. Nach vielen komischen kleinen Unverträglichkeiten beim Fischen mit zu kurzem Schnabel und Schlafen auf einem Bein stellt der Winterzug nach Afrika ein echtes Problem dar. Doch Richard hat scheinbar all die anderen gleichen Trickgeschichten gesehen und kennt sein Motto: „Gib niemals auf“. Zusammen mit der Zwergeule Olga und dem Wellensittich Kiki macht er sich auf eigene Faust auf den Weg.

Tatsächlich können Animationsfilme, wenn sie nicht mit hyperrealer Trick-Power überwältigen, nur mit originellen Geschichten überzeugen, wie es der deutsche „Molly Monster“ oder der wunderbare irische „Melodie des Meeres“ vormachen. „Überflieger“ versucht jedoch mit beschränkten Möglichkeiten die erfolgreichen Marktführer zu kopieren. Im Überflug soll didaktisch wertvoll die Vogelwelt vorgestellt werden, mit vermeintlich modernen Einfällen wie elektrisierte Internet-Tauben versucht man Kindern von heute die Natur zu vermitteln. Das wirkt statt lustig eher seltsam, um nicht zu sagen: oft bescheuert. Wenn das Absicht war, hat dieser Unterflieger des Qualitäts-Radars wenigstens ein Alleinstellungsmerkmal. Ansonsten muss man abraten.


Ein FILMtabs.de Artikel