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Magic in the Moonlight

USA 2014 Regie: Woody Allen mit Colin Firth, Emma Stone, Eileen Atkins, Marcia Gay Harden, Hamish Linklater 98 Min. FSK: ab 0
Wie eine laue Sommerbrise weht der 44. Kinofilm von Woody Allen in die vorweihnachtlichen Kinos. Außer der – fast sicheren – Erkenntnis, dass Gott tot ist, beschert der Meister spitzzüngiger Dialoge und verblüffend einfacher Lebensansichten bei „Magic in the Moonlight“ selbstverständlich wieder schauspielerischen Hochgenuss: Colin Firth gibt den nicht ganz heilbaren Menschenfeind und Emma Stone verzaubert diesen mit ganz billigen Tricks. Wenn auch fast schlüssig bewiesen wird, dass Nietzsche mit dem Ableben Gottes recht hatte, der Komödien-Gott Allen ist immer noch quicklebendig!
An der Cote d’Azur, der Küste der Betrüger in und mit so vielen Filmen, will Ende der Zwanziger Jahre der berühmte Magier Stanley (Colin Firth) inkognito die wahrscheinlich falsche Wahrsagerin Sophie Baker (Emma Stone) mit ihren Verbindungen ins Jenseits auffliegen lassen. Wie erwartet, gelingt es dem Skeptiker, Lebens- und Menschenfeind, in wenigen Minuten die ganze feine Gesellschaft vor den Kopf zu stoßen. Mit wunderbar treffenden, scharfen und gemeinen Kommentaren zur Leichtgläubigkeit und zum schlechten Zustand der ungebildeten Menschheit überhaupt. Doch Sophie sieht in dem Briten überraschenderweise etwas Chinesisches und auch seinen letzten Auftrittsort Berlin. Denn Stanley tourt mit der Maske des Magiers Wei Ling-soo durch die Welt und war gerade im Vorprogramm von Marlene Dietrich (Ute Lemper im Frack des Blauen Engels) auf der Bühne. Nun staunt der große Sarkast, der nur glaubt, dass alles bis hin zum Vatikan Betrug ist. Aber vor allem verguckt er sich in die junge Amerikanerin aus einfachen Verhältnissen, die unschuldig mit der Hellseherei Gesegnete mit ihren unglaublich großen Augen: „Ich habe irrationale positive Gefühle für Sophie Baker…“
Wie es ausgehen wird, mit dem großen, eitlen Ungläubigen und der schönen, kleinen Betrügerin, ist so klar wie der Himmel der Cote d’Azur beim Mistral. Stürmisch verläuft hier allerdings nichts, denn der große Meister und noch größere Depp Stanley rafft ewig nicht, dass er verliebt ist. Seine plötzlich aufflammende, naive Begeisterung für das Leben und dessen spirituelle Randerscheinungen, die kindliche Freude alles zu entdecken, was er früher abgelehnt hat, ist dabei auch so herrlich komisch, dass man ihm den zu nüchternen Verstand nie zurück wünscht.
In einem netten Rollenwechsel ist die verliebte Närrin der alten Hollywood-Komödien diesmal der Mann. Der Colin Firth, der zuletzt düster in „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“ zu sehen war, oder unsicher in „The King’s Speech“ und depressiv in „A Single Man“ gibt nun die lebens-blinde Figur, mit der schon Shakespeare trefflich spielte, mit wunderbarer Exaktheit. Man muss einfach total verdattert aussehen, wenn man ein Glück findet, dass es theoretisch gar nicht geben sollte. Aber weiterhin bekommt Stanley nur sehr, sehr ungeschickte Liebeserklärungen hin.
Wie Woody Allen in diese sommerlich leichte Liebekomödie eine ziemlich scharfe Diskussion über (Aber-) Glauben, Rationalismus und Spiritualität sowie Nietzsche und Gott einflicht, ist ebenso bewundernswert wie die großartigen Dialoge überhaupt. Zum vollendeten Genuss gesellen sich die Ausstattung mit der Mode der Zwanziger, die Szenerien mit vielen Küsten-Postkarten (Kamera: Darius Khondji) und selbstverständlich die Musik der Zeit von Strawinsky über Jazz. Die Filmzeit verfliegt bei diesem süßen, scheinbar schwerelosen Vergnügen. „Magic in the Moonlight“ ist ein Glücksfall von Film, weil er selbst in der ganz eigenen Kategorie der Woody Allen-Filme ein besonders freundlicher, glücklich machender ist. Wenn schon leichte Unterhaltung, dann bitte mit Geist und Geistern.


Ein FILMtabs.de Artikel