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Renoir

Frankreich 2012 (Renoir) Regie: Gilles Bourdos mit Michel Bouquet, Christa Theret, Vincent Rottiers 111 Min.
Bei einem Malerfilm will man Bilder und Farben sehen, was Renoir vortrefflich erfllt: Die Farben der Palette Pierre-Auguste Renoirs (1841 – 1919) stimmen, die provencalen Natur-Settings auch, in denen der berhmte Maler seine letzten Lebensjahre bei Cagnes-sur-Mer verbringt. Den Alten (Michel Bouquet) interessiert nur noch Schnheit, zur Inspiration kommt deshalb als neue Muse die junge Andre Heuschling (Christa Theret) tglich zu Renoir. Ungezwungen, fast respektlos begegnet die Tnzerin und Schauspielerin dem Mann im Rollstuhl, der von allen als patron, als Meister, angesprochen wird.
Es ist ein beschaulicher, scheinbar ewiger Sommer im goldenen Licht an Cote dAzur. Der Erste Weltkrieg deutet sich mit ein paar beurlaubten Soldaten an, die Toter Mann im Meer spielen, und mit Verstmmelten am Wegesrand. Mehr will auch der Film nicht mit Hsslichem zu tun haben. Dafr umso mehr sanft gleitende Kamerabewegungen, nebenbei mal kleine Krperstudien verspielt im Spiegelbild festgehalten. Das Verlaufen von Andres roten Haaren auf ihrem Rcken gedoppelt mit der gleichen Pinselfarbe im Wasserglas. Auch wenn Renoir von seiner weiblichen Dienerschaft getragen werden muss, streift der Film mit groer Leichtigkeit immer wieder durch die Wiesen um sein Atelier, ununterbrochen rauscht es in den Grsern und den Bumen. Als eine Be mal die Damen des Picknicks am Fluss durcheinanderwirbelt, ist der Ausruf Verdammt, wie schn! schon das Krftigste am ganzen Film.
Dazu selbstverstndlich Akt-Posen, die zu bekannten Gemlden werden. (Selten lief brigens jemand konstant so unausgezogen durch einen Film, der mit Jugendfreigabe ist.) Zwischendurch ein Stillleben, wenn die Damen seines Haushalts das Essen bereiten. Gemchlich und undramatisch bleibt es selbst, als der Sohn Jean Renoir (Vincent Rottiers) kriegsverwundet nach Hause kommt. Die Begegnung der beiden groen Knstler erfolgt nicht wirklich ehrerbietig: Der eine im Rollstuhl, der andere wegen seiner Verletzung an Krcken. Whrend Jean beim Malen assistiert, will man alles aufnehmen, was der alte Meister der Malerei dem kommenden Meister der Regie erzhlt. Es ist nicht viel. Auch wenn Andre Jeans Geliebte wird, bleibt selbst der Vater-Sohn-Konflikt ein gepflegtes Gesprch zwischen dem leicht idealistischen Jungen, der wieder in den Krieg will, und dem reifen Mann, den nur noch das Fleisch interessiert. Nicht sein eigenes, widerspenstig schmerzendes, sondern das seine Modelle.
In Cannes Festivalpalast hing einst ein wunderschnes Nebeneinander von Renoir-Bildern und Renoir-Filmstills mit hnlichen Motiven zu dieser erstaunlichen Fgung, dass eine Knstlerfamilie zwei ganz verschiedene Epochen mit groartigen Bildergestaltern prgt. Das war mehr an kunstgeschichtlicher Interpretation als diese fast zwei Stunden Film nach dem Buch Le tableau amoureux von Jacques Renoir (Urenkel des Malers und Neffe des Filmregisseurs). Denn Renoir ist keinesfalls ein Schlsselfilm fr das Alterswerk von Auguste oder die Anfnge von Jean. Ein paar Andeutungen, einige skizzierte Stze, Erinnerungen und Trumereien – mehr nicht.
Renoir schmeichelt Augen, Ohren und angegriffene Seelen, macht aber erstaunlicherweise weder Lust auf einen Museumsgang zu Renoir noch auf die Filme des Jngeren. Nur die Abspann-Fakten ber Andre Heuschlings weitere Karriere, die tatschlich in den ersten fnf Filmen Renoirs mitspielte um daraufhin vergessen zu werden, wecken etwas Neugierde, diese in einem Detail neu zu sehen.


Ein FILMtabs.de Artikel