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Killing them softly

USA 2012 (Killing Them Softly) Regie: Andrew Dominik mit Brad Pitt, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, James Gandolfini, Vincent Curatola, Richard Jenkins, Ray Liotta, Sam Shepard 97 Min. FSK ab 16 Die beiden trotteligen Möchtegern-Gauner haben da etwas falsch verstanden, als Obama sagte, es sei Zeit für Veränderung - eine illegale Spielhölle ausrauben, um dann ins sonnige Florida abzuhauen, war wohl nicht gemeint. Doch die Deppen haben auch nicht gerafft, dass Markie Trattmans (Ray Liotta) Hinterzimmer-Casino unter scharfer Mafia-Kontrolle steht. Es kommt, wie immer, wenn Idioten einen Raub planen: Alles geht schief und man sieht es sich je nach Gewalt-Toleranz gerne an. Doch genau so exakt, wie Autor und Regisseur Andrew Dominik die Abläufe protokolliert, mit denen das Syndikat seine „Gerechtigkeit“ durchzieht, spiegelt er damit die echte Wirtschafts-Politik. Der Kontaktmann zum Aufsichtsrat ist ein fieser Anwalt (Richard Jenkins), der sich beschwert, das Bosse keine Entscheider mehr seien. Man müsse die Firmen vorsichtig an die Hand nehmen und wie Behinderte langsam führen. Überhaupt nicht vorsichtig geht der Meister-Killer Jackie Cogan (Brad Pitt) vor, seine Morde sind exakt, direkt und gnadenlos. Bei all den vielen Gesprächen mit jammernden Auftraggebern und dämlichen Hilfskräften fällt ein krasser Unterschied in Sachen Intelligenz und Auffassungsvermögen auf. Cogan ist der Einstein der Schlachthöfe, kommentiert im Off ebenso gnadenlos wie er killt, was ein besonderes Vergnügen bereitet. Zynisch und böse auch der Film bis in kleine Details: So muss der einst gute und jetzt versoffene und eklige Auftragsmörder Mickey (James Gandolfini) im Billigflieger zum Job kommen. Seine Figur reiht sich ein in präzise Karikaturen, die ebenso fesseln wie die Handlung, die Morde wie eine Einkaufsliste abhandelt. Das Genre „Schöner Morden“, dekoriert mit einem politischen und einem prominenten Zuckerguss, bedient der Australier Andrew Dominik mit seiner Gangster-Komödie “Killing them softly“ nach George V. Higgins’ Roman „Cogan’s Trade“. Wie schon bei seinem faszinierenden Western „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ im Jahre 2007 spielt die wiedergeborene Werbe-Ikone Brad Pitt die Hauptrolle. Der zeitweise extrem brutale Gangsterfilm ist ein Kino-Kunststückchen und einer wenig subtil aufgedrängten Botschaft. Die Ermordung von Schuldigen und auch Unschuldigen ist Routine. Besonders sind die Gespräche dazwischen: Vom Anwalt mit Cogan, von Cogan mit seinem ekelhaften Kollegen Mickey und von den beiden Räubern, den größten Trotteln in dieser Versammlung der IQ-Tiefflieger. Über allem plärrt aus Radio und TV Wirtschaftskrise und US-Wahlkampf mit den jeweiligen Phrasen von Bush und Obama. Man muss schon schwerhörig sein, um nicht den Bezug von Politik, Wirtschaft und Gangsterwelt zu verstehen. Ganz deutlich wird der letzte Monolog Pitts: Schon der Verfassungs-Vater Jefferson log, als er von der Chancengleichheit jedes Amerikaners faselte, während er mit seiner Sklavin Kinder zeugte. „Amerika ist nicht ein Volk. Es ist ein Geschäft.“ Das hat was, wie auch der Film starke, witzige und brutale Momente hat. Brad Pitt gibt den einzigen Denker im Brachland der Intelligenz lässig und überlegen. Nur subtil und kohärent wie „Jesse James“ erzählt Andrew Dominik nicht mehr.


Ein FILMtabs.de Artikel