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Die Haut, in der ich wohne

(La piel que habito) E 2011 Regie: Pedro Almodóvar mit Antonio Banderas, Elena Anaya, Marisa Paredes, Jan Cornet 121 Min. FSK 16
Pedro Almodóvar war immer schon ein Regisseur, der das Kino dazu nutzte, um Identitäten, Bilder und Rollen zu hinterfragen, meist auf sehr persönlicher Basis. In den letzten Jahren hat er das Erzählen von Geschichten dabei ein wenig zugunsten der Form aus den Augen verloren. Mit „Die Haut in der ich wohne“ kehrt er nun meisterhaft zurück zur Form, die hier stets dem Inhalt unterworfen ist.
Verschachtelt und in verschiedenen Zeitebenen verwoben schildert er die Leidensgeschichte des Wissenschaftlers Dr. Robert Ledgard (Antonio Banderas). Sie scheint untrennbar verbunden zu sein mit dem Schicksal seiner Patientin Vera (Elena Anaya). Einsam lebt sie im oberen Teil des modernen Anwesens und hält nur über die Sprechanlage Kontakt mit Marilia (Marisa Paredes), der Haushälterin Ledgards. Auf den ersten Blick wirkt es, als sei Vera freiwillig dort, doch nach und nach werden die Fesseln sichtbar. Seltsamerweise scheint sie sich mit ihrem exquisiten Verlies abgefunden zu haben und versucht ein Vertrauensverhältnis mit Ledgard zu schaffen, der sie jedoch stets auf Distanz hält. Lieber beobachtet er sie über die zahlreichen Monitore, die im Haus verteilt sind. Sein Blick hat dabei etwas seltsam sehnsüchtiges, als sei die Frau ihm mehr als nur vertraut.
Dabei bewegt sich seine Figur weit fernab der Klischees des verrückten Wissenschaftlers oder perfiden Peinigers. Seine Geschichte ist wesentlich komplexer und entrollt sich dem Betrachter in Träumen und Rückblenden. So erfahren wir, dass seine Obsession für die künstliche Replikation von Haut, die ihn in die Illegalität treibt, einen tragischen Hintergrund hat. Dass Ledgard einst Familienmann mit Frau und Tochter war, bis ein Unfall das Glück zerstörte. Damals zerbrach etwas in ihm und mit seiner wissenschaftlichen Logik zog der gebrochene Mann die Konsequenzen.
Enigmatisch und befremdlich wirkt die Welt, die Almodóvar hier auf die Leinwand bringt. Bis das Netz der Spinne immer weitere Kreise zieht und wir zurücktreten, um darin das Muster zu erkennen. Recht bald ahnt man und erfährt bittere Gewissheit. Wie der spanische Regisseur das Puzzle löst, ist aber bis zur letzten Einstellung fesselnd und meisterlich ausgeführt. Kunstvolle Bilder fangen ein stilvolles Äußeres ein, sowohl beim Interieur, als auch in den von Jean-Paul Gaultier gestalteten Kleidern. Sie schaffen eine kühle Ästhetik, die an die Horrorfilme der Siebziger gemahnt.
Überraschend ist nicht nur der Handlungsverlauf, den man vorher nur anreißen darf, sondern auch die darstellerische Leistung seines Hauptdarstellers. Nach über zwanzig Jahren steht Antonio Banderas wieder für Almodóvar vor der Kamera und zeigt sich als gereifter Mime, der Roberto Ledgard mit nuancierter Zurückhaltung verkörpert. Der exaltierte Machismo früherer Tage liegt hinter und eine interessante Karriere vor ihm, wie er auch unlängst in Woody Allens „Ich sehe den Mann deiner Träume“ bewies.
So ist „Die Haut in der ich wohne“ auch eine Wiedervereinigung zweier kreativer Köpfe, die sich blind verstehen. Vor allem aber ein formell atemberaubendes Werk eines Meisters der Kunst und ein hoch spannendes Rätsel, das einige verstörende Wendungen bereit hält.


Ein FILMtabs.de Artikel