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Mein Stück vom Kuchen
Frankreich 2011 (Ma Part Du Gâteau) Regie: Cédric Klapisch mit Karin Viard, Gilles Lellouche 109 Min. FSK ab 12
Der große Börsencrash erreicht das Kino. In diesem Monat werden die Folgen der Bankenkrise von 2008 in gleich zwei Filmen behandelt. Während „Margin Call“ das Desaster im Epizentrum chronologisiert, zeigt „Mein Stück vom Kuchen“ die weitreichenden Auswirkungen der Entwicklungen auf die Arbeitswelt – das Fressen und Gefressen werden. Der Hai in diesem Becken hört auf den Namen Steve (Gilles Lellouche). Eigentlich heißt er Stéphane, doch die Kurzform macht ihn schnittiger und sein Alltag ist ein Hochgeschwindigkeitsrennen. Als Broker erwartet man vom ihm schnelle Entscheidungen und rücksichtsloses Handeln. Ein Leichtes für das geborene Arschloch. Steve geht über Leichen und hat es so weit gebracht, dass ihm sein Boss die Geschäftsführung in London anbietet. Doch erst soll er beweisen, dass er das Zeug dazu hat und wird nach Paris entsandt, um dort eine französische Dependanz auf die Beine zu stellen. Die alleinerziehende Mutter France (Karin Viard) ist mit dem Handling von Job und Kindern nicht weniger ausgelastet. Als man der Hafenarbeiterin nach zwanzig Jahren kündigt, bricht ihre Welt zusammen. Die Schließung der Fabrik, in der sie arbeitete, setzt sie und mehr als 1200 ihrer Kollegen auf die Straße. Für France ist klar, dass sie hier in Dünkirchen keine Zukunft hat und auch von ihrem Ex ist keine Hilfe zu erwarten. Also nimmt die resolute Frau ihr Schicksal selbst in die Hand und geht nach Paris, um dort als Putzfrau zu arbeiten. Sie landet bei Steve, der frisch in die Hauptstadt gezogen ist und eine Haushälterin benötigt. Während er Millionen auf den Monitoren seines Arbeitszimmers verschiebt, fährt France mit dem Staubsauger unterm Schreibtisch her. Als auch noch Steves Sohn Alban vor der Tür auftaucht und er, oder vielmehr France, sich die nächsten Wochen um ihn kümmern muss, kommt sich das ungleiche Paar allmählich näher. Doch Steve ist nicht gerade geübt darin, Gefühle zu entwickeln. Meisterhaft stellt Autorenfilmer Cédric Klapisch diese zwei gegensätzlichen Lebenswege gegenüber. Mit einer gewohnt starken visuellen Handschrift versehen, erzählt er eine höchst aktuelle Geschichte, versehen mit einer fiktionalen Note. Dabei beweist er erneut sein Talent für das Episodenhafte. Am Ende übernimmt das Herz des Filmemachers jedoch vollends die Oberhand und Klapisch verrät seine lebendigen und wunderbar verkörperten Figuren an die große Idee. Dabei wünscht man ihnen doch so sehr ein Happy End.
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 15.09.2011 / 1:00
- Rubrik:
- Kritiken LT
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