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Begeisternde Eröffnungsfilme in Venedig
Erzählt wird von den Vorwahlen zur US-Präsidentschaft, bei der in Ohio eine Entscheidung unter den beiden letzten demokratischen Kandidaten fallen soll. Es ist aber auch das Duell der Wahlkampf-Manager, die durch Paul Giamatti und Philip Seymour Hoffman wie der ganze Film großartig besetzt sind. Stephen Myers (Ryan Gosling), ein Frischling unter diesen alten Hasen, glaubt ein Idealist zu sein und kämpft voller Engagement für seinen Kandidaten, den fortschrittlichen, toleranten, ja fast grünen Gouverneur Mike Morris (Clooney). Aus der ruhigen Erzählung mit vielen Internas der „War Rooms” entwickelt sich ein moralisches Trauerspiel, als Stephen einerseits ein unmoralisches Angebot der Gegenseite erhält, er aber auch von seiner schmierigen Seite seines Idols hört. Mittendrin steckt die Praktikantin Molly (Evan Rachel Wood).
Als Hauptattraktion holte sich der unfehlbare Überstar Clooney selbst vor die Kamera, hält sich aber bei der Leinwand-Präsenz zurück. Unterstützt haben ihn Clooney als Co-Produzent und Clooney als Co-Drehbuchautor. Wem dies zuviel Stargetue ist, darf sich im Film über einen Tyrannenmord im übertragenen Sinne freuen: Der Titel „Die Iden des März” (The Ides of Mars) referiert auf den 15. März im Jahre 44 - vor Christus. An diesem Tag wurde Julius Cäsar bei einer Senatssitzung ermordet. Wie gut, dass Clooneys Figur des Gouverneurs Mike Morris mit Ryan Gosling junger, aufstrebender Star zur Seite gestellt wurde, der sich für keine Intrige zu schade ist. „Auch du mein Sohn, Stephen!?”, könnte ein guter Schlusssatz sein.
„Die Iden des März” basiert auf dem Theaterstück „Farragut North” von Beau Willimon, in dem es um die Präsidentschafts-Vorwahlen des Jahres 2004 geht. Der Film wird in Deutschland am 22. Dezember ins Kino kommen - am Ende des Superwahl-Jahres.
Als zweiter Eröffnungsfilm stellte Festivaldirektor Marco Müller der klugen und für Aufrichtigkeit kämpfenden Unterhaltung von Clooney ein großes Stück Kino-Kunst gegenüber.
An sich ist es ein seltsames Ding mit diesen Filmfestspielen, die sich in sicherer Entfernung vom wuseligen Freizeitpark des touristischen Venedigs am Lido ausbreiten. Von der bildenden Kunst der Biennale - die zwischendurch auch auf Architektur und auf Tanz macht - kommt nichts über die Lagune. Es liegt vielleicht am Preis der Überfahrt (aktuell: € 8,50), dass sich keiner zur anderen Kunst bewegt. Die siebte Kunst bewegt sich selbst und ihr Publikum ja gerade während man äußerlich unbewegt im Kinosessel hängt.
Bewegend war es, wie Victor Kossakovky in seiner Doku „Vivan les Antipodas” die Welt auf den Kopf stellte: Vier Paare exakt gegenüber liegender Orte dieser Erde - Antipoden - porträtierte. Von einer Furt in Argentinien, die von zwei verschrobenen Brüdern gewartet wird, zur wuseligen Metropole Shanghais, von Ameisen auf einem spanischen Fels bis zu einem gestrandeten Wal in Neuseeland - der Saal explodierte fast vor so viel genial antipodisch montierter Welt. Die „Mostra” hat begonnnen!
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- Publiziert von:
- Günter H. Jekubzik, 31.08.2011 / 1:30
- Rubrik:
- Kritiken GHJ
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