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Nader und Simin

Iran 2011 (Jodaeiye Nader Az Simin) Regie: Asghar Farhadi Laila Hatami, Peyman Moadi, Shahab Hosseini, Sareh Bayat, Sarina Farhadi 123 Min.
Gesellschaftskritisch
Stehende Ovationen und den goldenen Bären für einen Film aus dem Iran: eine Kreativindustrie, die die westliche Welt ob der staatlichen Oppression am Boden vermutete, steht mit Asghar Farhadi am Zenit. Dabei wirft der 39jährige Regisseur erneut einen überraschend kritischen Blick auf die Gesellschaft seines Landes. Repräsentiert wird sie durch zwei unterschiedliche Paare: auf der einen Seite sind Nader und Simin. Sie haben ein komfortables Leben als Angehörige der oberen Mittelschicht. Doch ihre Beziehung steht vor dem Ende. Nader will, dass sie das Land mit ihrer Tochter verlassen, denn sie sieht sich außer Stande unter den herrschenden Bedingungen zu leben. Doch Simin will seinen alzheimerkranken Vater nicht zurück lassen und beschließt im Iran zu bleiben. Nader reicht die Scheidung ein, obwohl ihr Mann sie liebt. Ihre Tochter bleibt, denn sie will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich alles wieder einrenkt. Also zieht die frustrierte Frau alleine aus. Derweil muss sich Simin um eine Betreuung für den Vater kümmern. Er findet sie in Razieh. Die gläubige Muslimin muss die Schulden ihres Mannes abbezahlen und nimmt täglich den weiten Weg mit ihrer kleinen Tochter auf sich, um die Wohnung zu erreichen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass sie völlig überfordert ist. Es kommt zu einem Unfall, der beide Familien in einen Nimbus aus Schuld und gegenseitigen Vorwürfen hüllt. Vor zwei Jahren gewährte uns Farhadi mit dem meisterhaften „About Elly“ einen Einblick in die heutige iranische Gesellschaft und wir waren überrascht, ob der ungeahnten Parallelen zu unserer eigenen. Damals erhielt Farhadi den Regiepreis auf der Berlinale. Mit „Nader und Simin“ bestätigt er seine Ausnahmeposition im Gegenwartskino. Wieder ist seine Geschichte universell und geprägt von Misstrauen und Intoleranz. Hinzu kommen Standesunterschiede und ein religiöser Konflikt, der exemplarisch für das Land zwischen Tradition und Moderne ist. Ein bestechend genauer Blick in eine uns fremde Gesellschaft. Großartig gespielt und handwerklich ohne ein Wort, eine Szene oder eine Erklärung zu viel. Zu recht gab es in Berlin Darstellerpreise für das Ensemble sowie die höchste Ehrung in Form des Goldenen Bären 2011.


Ein FILMtabs.de Artikel