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Sin Nombre

Mexiko, USA 2009 (Sin Nombre) Regie: Cary Joji Fukunaga mit Paulina Gaitan, Edgar Flores, Kristyan Ferrer, Tenoch Huerta Mejía 96 Min. FSK ab 16
Flucht aus den Straßen der Hölle
Schmelztiegel Mexiko: in der jüngeren Vergangenheit war die Megastadt Mexiko-City mit ihren 110 Millionen Bewohnern immer wieder in den Nachrichten, und der Anlass war kein Rühmlicher. Bandenkriege erschüttern die lateinamerikanische Metropole schon seit Jahren. Täglich gibt es im Schnitt rund 500 Gewaltverbrechen. Der Waffenschmuggel von den USA nach Mexiko floriert, während Kokain und Heroin den umgekehrten Weg gehen. Im Machtkampf der Drogenkartelle kommen jedes Jahr mehrere tausend Menschen ums Leben.   Die einflussreichste Gang in diesem Moloch ist Mara Salvatrucha, mit geschätzten 100.000 Mitgliedern die größte kriminelle Vereinigung der Welt – und die gefährlichste. Mord, Vergewaltigung, Körperverletzung – die Mitgliedschaft hat einen hohen Preis. Alleine das Aufnahmeritual ist eine Tortour: 13 endlose Sekunden lang treten und Schlagen die Mara auf den Aspiranten ein. Erst dann ist er ein vollwertiges Mitglied der Gang.   Der 12jährige Smiley ist einer der Kids, „Confetti“ genannt, die nach einer Karriere auf der schiefen Bahn trachten. Er durchsteht die Peinigung wie ein Mann. Lil’ Mago, der Anführer, ist zufrieden. Er stellt ihm Willy zur Seite, ein angesehener Gangster, der selbst bereits im Teenageralter mit den ersten Botendiensten für die Mara begann. Willy wird zu seinem Mentor, doch dessen Herz gehört längst nicht mehr einzig der Gruppe. Der 18jährige hat ein Mädchen in La Bombilla und niemand darf es erfahren. Doch Lil’ Mago hat ihm längst seine Handlanger auf die Fersen gesetzt. Es wird Zeit dem Moloch zu entkommen.   Willys Flucht in die Staaten auf den Dächern der Züge leitet den zweiten Akt dieses hochspannenden Thrillers ein. Zu Beginn lässt sich Autor und Regisseur Fukunaga ausreichend Zeit, die Lebensumstände der Protagonisten zu schildern. Authentisch und schonungslos fängt der Amerikaner die Gegenwart ein. Dank der starken Figuren und des mitreißenden Plots packt uns sein Film und schickt uns auf eine unbequeme Reise. Den oft zitierten Vergleich mit dem Meisterwerk „City of God“ muss „Sin Nombre“ nicht fürchten. Er fesselt und berührt auf ganz eigene Art und Weise.


Ein FILMtabs.de Artikel