Drachenläufer
USA 2007 (The Kite Runner) Regie: Marc Forster mit Khalid Abdalla, Homayoun Ershadi, Zekeria Ebrahimi, Ahmad Khan Mahmidzada, Shaun Toub 122 min
Von einer Freundschaft ohne Vorurteile
Die Holzgestelle, auf denen sich buntes Papier spannt rasen pfeilschnell über den Himmel, verfolgen, duellieren und schneiden sich über den Dächern Kabuls, bis einer von ihnen nachgibt und zu Boden segelt. Dann setzt sich der Drachenläufer in Bewegung. Er ist die rechte Hand des Steuernden und sammelt die Trophäen auf, die stolz den Vätern präsentiert werden. Hassan ist der Drachenläufer von Amid, und er weiß immer ganz genau, wo der Unterlegene landen wird, den sein Freund vom Himmel geschnitten hat. Dazu muss er nicht einmal nach oben schauen, etwas in ihm weiß es einfach.
Amid ist Hassan in solchen Momenten etwas unheimlich, aber sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Und das obwohl sie unterschiedlichen Standes sind. Hassan ist der Sohn des Haushälters, der Amids Vater Baba seit Kindheitsbeinen zur Seite steht. Baba, ein intellektueller Freigeist, behandelt Hassan, als wäre er sein eigener Sohn. Doch Untergebene sind wenig wert in der patriarchalischen Gesellschaft des Iran. Als sich Amid von den Hänseleien der älteren Kinder beeinflussen lässt und untätig bleibt, als etwas Schreckliches passiert, ändert sich zwischen den beiden alles. Sie haben ihre Kindheit verloren und Amids Schuldgefühle führen zu einer folgenschweren Entscheidung.
Bis in die Gegenwart wird ihn dieser Fehler verfolgen. Als Schriftsteller lebt er, zum Mann gereift, mit seinem Vater in New York. Im Alter schließlich kann Baba endlich seinen väterlichen Stolz zeigen und sich für den Sohn einsetzen. Amid sieht einen Weg, das Geschehene wieder gut zu machen und kehrt nach Jahren erstmals zurück in die Heimat.
Es gibt sie noch, diese starken Filme, die völlig auf bekannte Stars verzichten und nur auf ihre Geschichte vertrauen. Basierend auf dem Roman von Khaled Hosseini zeigt Regisseur Marc Forster ein Afghanistan in den Siebzigern, bevor Terror und Krieg das Land zerrütteten und vermeidet dabei den westlichen Blick. Er erzählt die Geschichte vielmehr aus der Kultur heraus, wobei ihm wieder sein meisterhafter Partner David Benioff zur Seite stand. Es gelingt ihnen, die beiden Zeitebenen zusammen zu halten und so auf epische und zutiefst menschliche Art von Freundschaft zu erzählen – universal, jedoch ohne die Augen vor der politischen Geschichte seines Schauplatzes zu verschließen.
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 19.01.2008 / 9:55
- Rubrik:
- Kritiken LT
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