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Superman - Rückkehr einer Comic-Ikone
Die Rückkehr einer Comic-Ikone: Superman
Der Vorhang öffnet sich, ein Junge schlägt die Seiten einer Ausgabe von „Action Comics“ auf und die schwarzweißen Bilder der Stadt Metropolis erwachen auf der Leinwand zum Leben. Die bekannten Fanfaren setzen ein und die Credits beginnen ihre Flugbahn in unsere Richtung.
So begann vor 28 Jahren der Superman-Film von Richard Donner, der bis heute in seiner Zeitlosigkeit Generationen von Kinogängern begeistert. Auch Regisseur Bryan Singer (Die üblichen Verdächtigen) sah als Kind mit aufgerissenen Augen zum ersten Mal, wie ein Mensch fliegen konnte, durch Mauern sah und Erdplatten verschob. Von nun an schien alles möglich. Comicfan Singer sollte sich aber – Jahre später – zunächst anderen Helden widmen, bevor er wieder zum Idol seiner Kindheit zurückkehrte.
Seinen ersten Auftritt hatte der von Jerry Siegel und Joe Shuster erschaffene erste Superheld der Comicgeschichte 1933 in deren Fanzine „Science Fiction“. Superman war ein Produkt der damaligen Weltwirtschaftskrise und der aufkeimenden Angst vor dem Zweiten Weltkrieg. Amerika suchte einen Beschützer und fand ihn in seiner Phantasie. Der Comicverlag DC Comics nahm Siegel und Shuster unter Vertrag, die im Gegenzug sämtliche Rechte an ihrer Schöpfung abtraten. Ein Fehler, denn der Mann mit dem Cape entwickelte sich schnell zum Helden der Nation und bescherte dem Verlagshaus in den kommenden Jahrzehnten Millionen von Dollars.
Seit seinem Leinwanddebüt 1941 in den Kurzfilmen des traditionsreichen Fleischer-Studios hat es der Held in Blau und Rot bis heute auf sechs Spielfilme, unzählige Serien und 35 Titel auf Video und DVD gebracht. Die erste Realverfilmung war Superman and the Mole Men von 1951, dem eine Fernsehserie folgte. Die Comics wurden derweil in 25 Sprachen übersetzt und in 40 Ländern rund um den Globus veröffentlicht. „Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, wo man Superman nicht kennt. Man könnte wahrscheinlich das S-Schild mit in den Dschungel nehmen und selbst dort noch 50%ige Chancen auf Wiedererkennung haben. In diesem Sinne ist er ein weltweiter Superheld“, meint Singer.
Überlieferungen zufolge erblickte Superman als Kal-El, Sohn von Jor-El, auf Krypton das Licht der roten Sonne seiner Galaxie. Doch seine Heimat war dem Untergang geweiht und deshalb beschlossen seine Eltern ihn zur Erde zu schicken, deren Sonne ihm übermenschliche Kraft schenken und ihn quasi unverwundbar machen würde. Einzig Kryptonit, ein grün schimmerndes Gestein, kann ihn schwächen und Blei behindert seinen Röntgenblick. So wächst der Kämpfer für „Wahrheit, Gerechtigkeit und die Würde des Menschen“ zu einem 1,90 Meter großen, etwa 100 Kilo schweren Adonis mit stahlblauen Augen heran, der nie lügt und die Farbe Rosa mag – zumindest gesteht er dies seiner heimlichen Liebe, Reporterkollegin Lois Lane bei einem Interview in trauter Zweisamkeit, das mit dem berühmten romantischen Ausflug in den Abendhimmel endete.
Doch der Mann aus Stahl hat ein Herz aus Fleisch und Blut, das nicht gefeit ist, vor Liebe, Schmerz und Eifersucht. Das macht den Außerirdischen zu einem von uns. Kryptonit kann ihn schwächen, die Liebe zu Lois verletzen, die Trauer um seinen Adoptivvater, dessen Tod er trotz all seiner Kräfte nicht verhindern konnte, verzweifeln lassen. Diese Menschlichkeit ist es, die auch Regisseur Bryan Singer faszinierte. Sein Superman ist ein gebrochner Held, der die Trümmer seiner alten Heimat gesehen hat. Singer verzichtet auf Selbstironie und Slapstick, die Donners Verfilmung ausmachten, in den drei Fortsetzungen aber immer mehr Überhand nahmen und die Serie schließlich zerstörten. Singers Herangehensweise gleicht da mehr der von Christopher Nolan und seiner gelungenen Batman-Neuinterpretation.
So sind es also die jungen Regisseure Hollywoods, die mit den Comics und Träumen der Helden ihrer Kindheit aufwuchsen, die deren Leinwandadaption eine neue, ernsthaftere Ebene abgewinnen, die sich vom Trash der Fünfziger und Sechziger Jahre abhebt – und das mit enormem Erfolg. Doch als Christopher Reeve 1987 Gene Hackman alias Lex Luthor in Superman IV – Die Welt am Abgrund mit dem Satz „Wir sehn uns in 20 Jahren“ einbuchtete, konnte noch niemand ahnen, dass es tatsächlich zwei Jahrzehnte dauern würde, bis Superman wieder über die Leinwand fliegt. Der vierte Teil war damals gefloppt und Pläne für eine Wiederbelebung lagen lange auf Eis. Als 1998 dann nach langem Hin und Her schließlich Tim Burton das Ruder übernehmen sollte, hieß der Film noch Superman Lives, brachte es aber lediglich auf ein Teaser-Plakat, bevor auch dieser Anlauf scheiterte.
Nun konnte sich also der 40jährige Bryan Singer seinen Kindheitstraum erfüllen. Superman wacht endlich wieder über uns und verspricht am Ende: „Ich werde immer in Eurer Nähe sein.“ Äußerst beruhigend.
Oliver Tunçay
Ein FILMtabs.de Artikel
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 22.08.2006 / 5:45
- Rubrik:
- Kritiken LT
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