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Man muss mich nicht lieben
F 2005 (Je ne suis là pour être aimé) Regie: Stéphane Brizé mit Patrick Chesnais, Anne Cosigny, Georges Wilson, Lionel Abelanski, Cyril Couton 93 Min.
Entflammt
Eine Kritik von Sarah Tuncay
In Frankreich wird Stéphane Brizés leise Charakterstudie schon als Arthouse-Entdeckung des Jahres und sein Hauptdarsteller Patrick Chesnais als französischer Bill Murray gefeiert. Seine Verkörperung des 51jährigen Gerichtsvollziehers Jean-Claude Delsart lebt wie Murrays letzte Rollen von der stillen Tragikomik der Figur. Wobei es Delsart noch um einiges schlimmer erwischt hat: er hat das Familienunternehmen seines Vaters geerbt, ist aber eigentlich todunglücklich in seinem Job. Er hasst die Treppen, die er täglich erklimmen muss, die Erniedrigungen, die er nie völlig an sich abprallen lassen kann und seinen Vater, der ihn fortwährend beleidigt, wenn er die Sonntagnachmittage mit ihm verbringt. Nun soll sein Sohn Jean-Yves in seine Fußstapfen treten und das unerfüllte Leben Delsart fortführen, denn auch er traut sich nicht, seinem Vater zu sagen, dass er eigentlich viel lieber Gärtner geworden wäre. Derweil blickt Delsart sehnsuchtsvoll aus seinem Bürofenster zum Fenster gegenüber, wo in einem Tango-Studio die Leidenschaft ausgelebt wird, die ihm abhanden gekommen ist. Als er sich einen Ruck gibt und eines Abends auf die andere Straßenseite wechselt, lernt er Françoise (Anne Cosigny) kennen und entdeckt, dass in ihm doch noch ein kleines Feuer brennt.
Von einem Flächenbrand kann hier aber nicht die Rede sein. Es ist eher ein Funke, der immer wieder aufblitzt und sich in unbeholfenen Gesten und Räuspern äußert. Chesnais spielt den verklemmten Krawattenträger mit einer großartigen Zurückhaltung. Cosigny erstrahlt das Grau seiner Erscheinung. Der Zuschauer fühlt die Wärme zwischen ihnen und verzeiht auch ein allzu vorhersehbares Ende. Denn Delsart hat es sich schließlich verdient.
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