Digital Days 2002

Zukunft animieren

Die großen digitalen Entwicklungen für den Film kommen entweder von George Lucas oder aus irgendwelchen Garagen - scheint es. Die "Digital Days" im Rahmen des Santa Barbara Filmfestivals wollen dem Nachwuchs digitales Filmemachen nahe bringen und führten 2002 dabei John Lasseter, Marc Forster ("Monsters Ball") und Highlights der digitalen Industrie vor.

Ganz in der Nähe der großen Studios von Los Angeles im kalifornischen Küstenort Santa Barbara findet jährlich Anfang März das kleine, aber feine Santa Barbara Filmfestival statt, in dessen Rahmen die "Digital Days" auf Ästhetik und Technik des digitalen Film fokusieren. Mitgedacht wird dabei immer die Ausbildung junger Filmemacher. So titelte denn auch einer der prominenten Diskussionen der "4.Digital Days": "The Missing Data - What they wont teach you at school" (Die fehlenden Daten - was auf der Schule nicht gelehrt wird). John Lasseter hielt die Eröffnungsrede zu einem (weiteren) historischen Punkt der digitalen Filmentwicklung: Die "Digital Days 2002" fanden statt, kurz bevor die Academy of Motion Pictures and Arts erstmals einen eigenen Oscar für digitale Animationen vergab.

Der Computer der Zeichenstift
Lasseter ist einer der einflussreichsten Pioniere auf dem Feld der digitalen Animation. Er sammelte mit seiner Firma Pixar und Filmen wie "Toy Story" oder "Das große Krabbeln" zehn Oscars. Gerade ist er dabei, seinen vierten eigenen Film zu ... realisieren, inszenieren, vielleicht ist "digitalisieren" das treffende Wort. Der erste Lichtblick von Lasseter und Pixar, das Markenzeichen "Luxar Junior" wurde gerade 15 Jahre alt. 1991 begann die Zusammenarbeit mit Disney, die mittlerweile aufgekündigt wurde - Disney meint, genug gelernt zu haben. Die von Pixar entwickelte Software "RenderMan" ist Industriestandard, sie bearbeitete in den letzten Jahren 31 der 35 Filme, die für den Special Effects-Oscar nominiert wurden.

Trotzdem betont Lasseter - wie viele der digitalen Pioniere - immer wieder den Wert des "Storytelling", des Erzählen, den er bei Disney gelernt hat. Dort begann er mit Handzeichnungen, wurde frustriert von seinen Beschränkungen, der Konzentration auf nur ein Bild und auch seinen eingeschränkten Zeichenkünsten. Mit den digitalen Werkzeugen gewann die Bewegung einen viel größeren Wert und erstmalig gab es eine völlige Kontrolle über das Bild.

Die Initiation auch für Lasseter war der tatsächliche Meilenstein "Tron". Fast wehmütig erinnerte sich die personifizierte Erfolgsgeschichte der digitalen Animation Lasseter an die Anfänge der Computer Animation zu Beginn der Achtziger Jahre. Damals waren sie noch eine "community", keine Industrie. Wie in der Wissenschaft haben sich all die Pioniere ausgetauscht, ihre eigene Software geschrieben. Doch schon früh gab es die Vorurteile gegenüber den "kalten" Computerbilder. Lasseter bracht dazu auch den "Hype" um die digitalen Möglichkeiten zurück auf den Boden: "Der Computer ist der Zeichenstift, die Kamera, der Film - also nur Werkzeuge. Niemand würde sagen, das sind tolle Ölfarben, mit denen kann man großartige, viel bessere Bilder malen. Es geht nicht darum, ob ein Film mit Computer gemacht wird, es geht darum, was du damit machst!"

Weltraum-Technik
Für einen weiteren "Höhenflug" der "Digital Days" sorgte die NASA: Don Miskowich, der mit seiner Abteilung "Far West Technology Transfer Center" dafür sorgt, Weltraumtechnologie, die für jährlich 70 Milliarden Dollar entwickelt wird, zum Anwender zu bringen, hielt die Keynote "Bringing Digital Technology Back To Earth". Der Mitentwickler von Sonys High Definition Technik zeigte eine neue digitale Projektionstechnik, die mit einfach zu produzierendem Equipment hochwertige Bilder auf großflächigen Monitoren überträgt. Zwar würde eine solche Konkurrenz das Geschäft um das zukünftige digitale Kino beleben, aber eine breite Marktanwendung erscheint doch fraglich. Dass die NASA sich jedoch so exponiert für den Markt digitaler Filmtechnik interessiert, bleibt bemerkenswert!

Experience the Future of Filmmaking
Mit beeindruckender Unterstützung durch die Industrie wird bei den "Digital Days" anders an die Zukunft gedacht. Es geht nicht nur um die nächste Technik, die schon bald wieder von der übernächsten überholt sein wird. Mit Ausrichtung auf zukünftige Filmemacher werden Perspektiven der Arbeit mit digitalen Produktionsmitteln überdacht und die aktuellen Gerätschaften zum Anfassen und Ausprobieren ausgestellt. Eine kleine Randbemerkung tat das ihrige um digitale Höhenflüge wieder auf den Boden der Realitäten zu holen: Angesicht der Tatsache, dass mehr Leute lehren, wie man in die Filmindustrie kommt, als tatsächlich drinnen sind, sollten die Schulen Geschäftsleute ausbilden, lehren, wie man sinnvoll Kredit für seinen nächsten Film aufnimmt.

http://www.digitaldays.com


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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