Ulrike Marie Meinhof
BRD 1995
Schon der zweite Vorname "Marie" im Titel zeigte den privaten Ansatz: Hier wurde nicht eine politische Aufarbeitung des Kampfes zwischen Staat und der später als "RAF-Mitglied" gesuchten Ulrike Meinhof vorgenommen. Super 8-Filme sowie Gespräche vor allem mit dem ehemaligen Konkret-Verleger und Ehemann Meinhofs, Klaus Rainer Röhl, stellten eine exzellente politische Journalistin und eine Waise vor, die Geborgenheit suchte. Daß der redselige Röhl auch Vater der Film-Machers Timon Koulmasis ist, erklärte den privaten Zugang.
Das Ergebnis waren oft boulevard-artige Verkürzungen, die auch bei Sendungen unter einer Stunde nicht akzeptabel sind: So wurde Ulrike Meinhof nach der Dramaturgie des Films in dem Moment zur Terroristin, als Röhl sie um den bürgerlichen Familienrahmen betrog. Der Gewinn des prekären Wühlens in privaten Erinnerungen lag bei vielen Informationen, die das vereinfachende Stereotyp "Terroristin" aufbrachen und in persönlichen Details die Zeitgeschichte der Bundesrepublik widerspiegelten.
Eine Kritik vonGünter H.Jekubzik
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