Oleanna
USA 1993, Regie David Mamet, 90 Min.Eine Studentin kommt in die Sprechstunde ihres jungen Professors, um sich über eine Note zu beschweren. Es entwickelt sich ein ungleiches, anfangs nerviges, später beklemmendes und provozierendes Kammerspiel in drei Akten. Denn nach dem ersten Treffen reicht die recht einfältige, sehr unsichere Oleanna eine offizielle Klage gegen den Lehrer ein. Er behandle sie und andere Kommilitonen respektlos, mache sich über sie lustig. Unter den Vorwürfen taucht auch der der sexuellen Belästigung auf.Das schwierige, zeitweise schwer erträgliche klaustrophobische Zwei-Personen-Stück "Oleanna" läßt auf keinen Fall kalt. Autor Mamet bewegt sich aber auf einem schmalen Pfad: Sehr leicht ließe sich die dumme, hilflose und gesteuerte Oleanna mit ihrem grauen Anzug und dem feministischen Abzeichen - alles gleicht sehr irgendwelchen faschistischen Uniformen - zur Verunglimpfung vieler feministischer Errungenschaften einsetzen. Unstrittig muß jedoch auch den extremen Moralaposteln in den USA, die Bücher aller Schattierungen verbannen wollen, etwas entgegensetzt werden.David Mamet ist ein sehr erfolgreicher Bühnenautor, dessen Stücke oft das brutale Innenleben der amerikanischen Gesellschaft entblößten. Nach seinen Drehbüchern entstanden interessante Filme wie "Hoffa", "Glengarry Glen Ross", "Die Unbestechlichen". Er selbst inszenierte nach seinen Scripten faszinierende Gesellschaftsanalysen wie "Homicide", "Things Change" oder "The House of Games".
Eine Kritik vonGünter H.Jekubzik
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