Music of my heart

USA 1998 (Music of my heart) Regie Wes Craven, 134 Min.

Roberta Guaspari (Meryl Streep) steht mit ihren zwei kleinen Söhnen nach einer Trennung alleine dar und geht dorthin, wo vorher nur Michelle Pfeiffer ihren Fuß hinsetzte: In ein "schwarzes Viertel" New Yorks, um den unterprivilegierten Kindern die Geigentöne beizubringen. Die Gegend sieht so aus, wie es sich nur jemand vorstellen kann, der noch keinen HipHop-Film gesehen hat. Aber zumindest die Kids wissen, worum es geht. Die Geigenkästen wollen sie direkt als Maschinengewehr benutzen! Für sie ist diese künstlerische Ausbildung unnötig wie ein Federkiel während einer Schießerei - da hat die Musik "toter, weißer Komponisten" kaum eine Chance.

"Music of my heart" ist ein humor- und harmloser "Sister Act", dem es auch nicht hilft, dass eine autobiographische Geschichte zugrunde liegt. Sie erzählt von einer Frau, die am Boden ist und ihre Stärke zurückfindet .... bla bla bla. Dieser rührselige Konflikt ist vorbei, bevor man ihn bemerkt hat und dann geht der Film in die überflüssige Verlängerung: Kürzungen im Bildungsetat lösen nach 10 Jahren einen Überlebenskampf für das "East-Harlem Violin-Programm" aus, der unweigerlich zur klassischen "großen Solidaritätsszene" und einem "Fiddlefest" in der berühmten Carnegie Hall führt.

Meryl Streep paßt nicht in die Gegend und nicht in den Film. Sie ist zu alt für diese Rolle und das Ganze ist einfach sehr schlecht. Streep spielt einen Charakter, der nicht sympathisch und keine besonders gute Pädagogin ist. Roberta Guaspari hat keine Ahnung von der Realität in diesen Vierteln und auch "Music of my heart" interessiert das nicht. Aufgeschlossenere Filme integrieren wenigstens noch den Rhythmus und den HipHop der "Eingeborenen", wenn sie die armen kleinen Schwarzen von guten weißen Männern und Frauen ans Licht führen lassen. Diese Herzensmusik ist hingegen gründlich naiv. Der "Club der toten Dichter" klingt als Schema an, was die Kleinen zustande bringen, beeindruckt nicht besonders.

Der intelligente Horrormacher Wes Craven widmete sich nach schauerlichen Klassikern wie "Nightmare on Elmstreet" oder "Scream" erstmals dem harmlosen Mainstream. Heraus kam der schrecklichste Wes Craven aller Zeiten - lieber Wes, diesen Horror wollen wir nicht von dir sehen.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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