Die Legende von Pinocchio
BRD/GB/Fr 1996 (The Adventures of Pinocchio) Regie Steven Barron, 94 Min.
Die neuen Möglichkeiten digitaler Filmtricks erlauben es der alten Legende von Pinocchio etwas hölzern aber immerhin lebendig zwischen richtigen Menschen und Schauspieler herumzustolpern - im Gegensatz zu Disneys Trickfilm aus 1940. Nachdem die Marionette Pinocchio von dem Puppenmeister Gepetto (Martin Landau) aus einem verzauberten Stück Holz geschnitzt wurde, macht sie sich schnell auf in die Welt, um ein "richtiger Junge" zu werden. Der dämonische Lorenzini (Udo Kier) will die lebende Puppe für seine Marionettenbühne, mit deren Hilfe er dumme Jungs verführen und zu Eseln verwandeln will.
Vor allem beim Höhepunkt des Familienfilms auf einem Vergnügungspark - der ein Jahrhundert zu früh stattfindet - zeigt sich Pinocchio als Verwandter des moralischen und pädagogischen Struwelpeter. Mit Vergnügen läßt sich noch sehen, daß nur Esel die schalen Attraktionen genießen, doch der erhobene Zeigefinger bei zu wilden Jungens ist ebenso überholt wie viele Sentimentalitäten.
Martin Landau spielt den weichherzigen Gepetto erfahren zurückhaltend. Udo Kier beweist als Lorenzini erneut, daß er zwar viele Typenvarianten von "Kier" aber keine Rolle spielen kann. Die kleine, hilfreiche Grille Pepe steht als wilde Computer-Animation dem realistischer belebten Pinocchio zur Seite und wird in Phantastik nur noch von einigen monströsen Verwandlungen übertroffen.
Lügen haben lange Nasen und noch nie war Pinocchios Nase so lang wie hier - Computer sei Dank. So zeigen die Jahre der digitalen Filmrevolution wieder einmal, was machbar aber keineswegs nötig ist.
Eine Kritik vonGünter H.Jekubzik
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