ghj-logo

Kalmans Geheimnis

NL/B/USA 1998 (Left Luggage) Regie Jeroen Krabbé, 93 Min.

Der seit 30 Jahren präsente und spätestens seit Paul Verhoevens "Der vierte Mann" (1983) international bekannte niederländische Schauspieler Jeroen Krabbé fand für sein Regiedebüt "Kalmans Geheimnis" eine ebenso ergreifende Geschichte: Die junge Studentin Chaja (Laura Fraser) ist im Antwerpen der 70er vor allem revolutionäre Studentin, lebenshungrig und konstant ohne Geld. Deshalb übernimmt die nicht religiös erzogene Jüdin einen Job als Kindermädchen bei der streng orthodoxen chassidischen Familie Kalman. Mit engen Jeans oder Minirock prallt Chaja auf puristische Lebensregeln, doch ihre Zuneigung besonders zum stummen kleinen Simcha und die stille Herzlichkeit der Frau Kalman (Isabella Rossellini) überwinden das äußerlich Trennende. Über diesen "Job" erhält Chaja Zugang zu ihrer Vergangenheit, kann ihren Vater (Maximilian Schell) verstehen, der seit seiner Flucht wie ein Verrückter in Antwerpen nach vergessenen Koffern (Left Luggage) gräbt und erlebt etwas von dem historischen und aktuellen Leid, Jude oder Jüdin zu sein.

"Kalmans Geheimnis" nach dem Roman "Zwei Koffer" von Carl Friedman ist ein Projekt von Freunden. Der Regisseur Ate de Jong ("Mein böser Freund Fred") produzierte, die römisch-katholische Isabella Rossellini ließ sich dazu überreden, eine ihr in ihren Haltungen und Gesten unbekannte Chassidin zu spielen. Während Krabbé selbst in seiner kleinen Rolle als Patriarch der Kalmans eindrucksvoll düster die Traditionen verkörpert und den Schatten des Holocausts auf sich trägt, legte er als Regisseur oft zu dick auf und nimmt der tragischen Story, den guten Bildern und dem erschütternden Ende viel Wirkung.

10.08.1999