Der Kaufmann von Venedig

Großbritannien, Italien, USA 2004 (The Merchant Of Venice) Regie: Michael Radford mit Al Pacino, Jeremy Irons, Joseph Fiennes, Lynn Collins, Zuleikha Robinson ca. 120 Min.

"Und wenn ihr uns langweilt, schnarchen wir nicht?" Der ach so rachsüchtige Shylock möge verzeihen, dass man ihm seinen besten Dialog verhunzt. Doch gerade irgendeine Form von Variation, von Zeitbezug lässt die nur gut aussehende Shakespeare-Verfilmung schmerzlich vermissen.

Shakespeare war gut! Man, der konnte Dramen schreiben. So denken auch immer wieder die Filmleute und bringen Willis Stücke auf die Leinwand. Dass dies bei "The Most Excellent Historie of the Merchant of Venice" gar nicht einfach ist, fällt bei Michael Radfords (Buch und Regie) "Kaufmann von Venedig" erst gar nicht auf: Im Venedig zu Ende des 16. Jahrhunderts leben die Juden in Ghettos und müssen, so sie diese verlassen, rote Hüte aufziehen. Schon in der Eröffnung wird die Erniedrigung deutlich, der verbissene Missionshass, mit der Priester Juden aburteilen. Geradezu pflichtschuldig bespuckt der Kaufmann Antonio (Jeremy Irons) den jüdischen Geldverleiher Shylock (Al Pacino) - um bald beim selbigen als Bittsteller für einen Freund aufzutreten, der sein Vermögen verlebt hat. Der junge Aristokrat Bassanio (Joseph Fiennes) benötigt 3.000 Dukaten, er will um die schöne Portia (Lynn Collins) werben. Während sich der Kaufmann dem verbitterten Juden verschreibt, mündet die Liebe zwischen Bassanio und Portia bald in märchenhafter, fast perfekter Glückseligkeit.

Der düstere Handlungsstrang um Antonio kulminiert in einer dramatischen Gerichtsverhandlung, bei der Shylock für den durch tragische Umstände nicht zurückgezahlten Kredit ein Pfund Fleisch aus der Brust Antonios verlangt. Wieder einmal löst weibliche Klugheit in Männergewändern den Konflikt. Vordergründig - denn hier zeigt sich das antisemitische Problem des "Kaufmanns von Venedig". Shylock wird durch Ausgrenzung und Erniedrigung zu so niederen Rachegelüsten getrieben, dass sich das ganze christliche Gutmenschen-Pak in arroganter Gnade und höhnisch antisemitischer Justiz suhlen kann.

Hier zeigt die Inszenierung des indisch-britischen Grenzgängers Michael Radford ("Der Postmann") Stärke, indem sie Mitgefühl für den dunklen, gebrochenen Charakter Shylock zulässt. Al Pacino wollte diese Rolle schon länger spielen und drängt sich, wie schon in "Looking for Richard (III)" gesehen, mächtig in den Vordergrund. Selbst in seiner Abwesenheit fällt es anderen Mimen wie Jeremy Irons schwer, nachdrücklich zu wirken, sind doch auch die anderen Rollen einseitiger angelegt. Immer genießen lassen sich Ausstattung, Kostüme, Kulissen und Kameraarbeit. Dazu gibt es Klampfen-Spiel und musikalische Intermezzi, die von Shakespeare bereits vorgesehen waren. Das lässt sich nahe am Originaltext gut ansehen, doch wird es kaum die Sicht auf unsere Welt verändern.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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