Jahre der Zärtlichkeit

USA 1996 (The Evening Star) Regie und Buch Robert Harling, 128lange Min.

Die Tränensäcke festgezurrt und in derAbenddämmerung auf ins tiefe Jammertal. Melodram ist ihnen einBegriff? Dann stellen sie es sich ohne Drama vor: Nur jämmerlichund elend - so schrecklich ist dieser Film.

Doch wenden wir uns einstweilen ab und blicken 14 Jahrezurück: Damals, 1983, rührte "Zeit der Zärtlichkeit"(Terms of Endearment) nach dem Roman von Larry McMurtry mit derschwierigen Beziehung zwischen Mutter Aurora Greenway (ShirleyMacLaine) und Tochter (Debra Winger). Um Shirley MacLaine alsexzentrische Aurora balzte Jack Nicholson als Apollo-Pilot, und DebraWinger litt von Babyjahren bis zu ihrem tragischen Krebstod - im Filmselbstverständlich.

Nun plagt sich Aurora in der späten und absolutunnötigen Fortsetzung "Jahre der Zärtlichkeit" mit derEnkelin Melanie (Juliette Lewis) und der Nachbarin Patsy (MirandaRichardson) ab. Oder eigentlich nervt Aurora ihre Umgebung: Malweniger, wenn sie ein fast nekrophiles Verhältnis hat; mal mehr,wenn wieder jemand wegstirbt. Das Leben für andere gelebt, denSchrank voller Erinnerung und dann schlägt die End-Life-Krisezu. Wie grausam! Die bissigen Bemerkungen Auroras haben ein falschesGebiß. Und es scheint tatsächlich Jahre zu dauern, bisdies Elend ein Ende hat.

Nur der späte und kurze Auftritt Nicholsons erhebt sich ausder filmischen Magerkost. Dieser Mann scheint seine eigenen Texte inden miesen Film mitgebracht zu haben. Plötzlich ist erstmalsSpannung in den Bildern und die zwei alten Leute ruhig am Strand sinddas Filmmaterial wert.

Man braucht sich nur mit "Unhook the stars" (Ein Licht in meinemHerzen) von dem Abendstern Aurora zu lösen und schon bietet eineähnliche Konstellation eine echte, menschliche und interessanteGeschichte. Was Gena Rowlands dort als verlassene Mutter hinlegt,sollte ihr mit einem Schlag all den Ruhm einbringen, den MacLainehier verspielt. Doch stellen wir uns senil und partiellvergeßlich, denken wir einfach nur noch an "Das Appartement",an "Irma La Douce", "Ein Fressen für die Geier" oder"Die Herbstzeitlosen".


Eine Kritik von Günter H.Jekubzik

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