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Der große Bagarozy

BRD 1999 (Der große Bagarozy) Regie und Buch Bernd Eichinger, 101 Min

Der Himmel über Frankfurt

Bernd Eichinger ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Produzenten Deutschlands. "Seine" Werke waren unter anderem "Die unendliche Geschichte", "Der Name der Rose", "Der bewegte Mann" oder "Fräulein Smillas Gespür für Schnee". Dabei kam Eichinger von der Filmhochschule München, übernahm aber erst mit dem Fernsehfilm "Das Mädchen Rosemarie" 1996 erstmals die Regie. Nun inszenierte er nach einer Vorlage von Helmut Krausser (Fette Welt) den sehr reizvollen Stoff "Der große Bagarozy".

Die Psychiaterin Cora Dulz (Corinna Harfouch) hat einen neuen Patienten: Stanislav Nagy (Til Schweiger) sieht Erscheinungen der Callas und ist auch sonst sehr geheimnisvoll, wenn nicht gar seltsam. Nagy weiß viel zu viel Intimes von Cora und eröffnet ihr irgendwann, er sei der Teufel.

Eine unglaubliche, aber durchaus reizvolle Geschichte, das spürt auch Cora und im Folgenden therapiert der Patient die Therapeutin bis sie nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht. Es gibt nächtliches Abenteuer im Kaufhaus und immer schwingt die Erotik mit. Zwischendurch erzählt der Mann mit den teuflischen Augen die Geschichte der Callas in Rückblenden, des Teufels Kampf um oder gegen Maria Callas, deren Gesang "vom ersten Ton an Gottesdienst war". Es gibt einige Klamaukeinlagen und die Sehnsucht des Teufels, Mensch zu werden.

Die Frage, ob Nagy nun der leibhaftige Mephisto oder nur ein armer Teufel sei, ist auf Dauer für fast zwei Stunden dünn, aber der Film behält sein Schmunzeln bei. Eichinger erweist sich als kein großer Zauberer, aber als jemand, der es sich erlauben kann, eine eigenwillige Geschichte gut zu erzählen. Die Geschichte wurde von Kameramann Gernot Roll vortrefflich ins Bild gesetzt und flott geschnitten. Da steckt mehr großes Kino drin als in vielen anderen deutschen Produktionen. Das entspricht dann nicht der gängigen, erfolgreichen Marktware - aber genau dies ist bei Eichinger schon etwas Außergewöhnliches. Till Schweiger ist kein Al Pacino, er kann nicht das Böse mit einem Lächeln verkörpern, aber in den kleinen, bösen Augen könnte durchaus ein Belzebub stecken. Corinna Harfouch zeigt nach "Solo für Klarinette" wieder ihre erotische Seite und auch ihr Talent zur großen Diva.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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