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Das Manifest ist (k)ein Fest !
48. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen
Was ist schief gelaufen, wenn ein Festivalleiter in seiner
Eröffnungsrede den unangepassten Kulturförder mimt, der es
nicht als seine Aufgabe betrachtet Entertainment zu bieten und ,,zu
gefallen", sondern viel lieber provokant und schwierig sein will, und
dann trotzdem die meisten Vorstellungen ausverkauft sind? - Im
Zweifelsfalle überhaupt nichts. Vielmehr spricht die
Popularität, die die Kurzfilmtage auch im Jahre 40 nach
Unterzeichnung des Oberhausener Manifests wieder genossen, für
das interessante sechstägige Programm, das neben schwer
experimentellen Kunstfilmen durchaus auch leichtere Kost zu bieten
hatte. Über 400 Beiträge wurden insgesamt gezeigt, 163
davon im Wettbewerb, die restlichen in verschiedenen
Sonderprogrammen, die neben Retrospektiven mehrerer FilmemacherInnen
(u.a. Sinead O'Connors Hausregisseur John Maybury) auch eine
umfangreiche Filmreihe zum Thema Ý,,Katastrophe" umfassten -
die übrigens schon vor dem 11.9.2001 geplant war, wie die
Festivalleitung nicht müde wurde zu betonen.
Wie in jedem Jahr sehr beliebt: Die MuVi-Preisverleihung für das
beste deutsche Musikvideo. Die zwölf, sich mehr oder weniger
außerhalb der VIVA/MTV - Ästhetik bewegenden Clips
bewiesen wieder einmal, dass Musikvideos mehr sein können als
bloße Produktwerbung.
Die Programme des deutschen und des internationalen Wettbewerbs
überzeugten vor allem durch hervorragende Dokumentarfilme: In
einem breiten Themenspektrum, das von der Legende um den
mexikanischen Revolutionär Emiliano Zapata (Los Zapatos de
Zapata von Luciano Larobina gewann den Hauptpreis der Stadt
Oberhausen) bis zu einem ironischen Blick auf moderne
Büroarbeitswelten (Sitzend überleben von Carolin Schmitz)
reichte, präsentierten vielen RegisseurInnen spannende,
innovative Arbeiten. Der eindringlichste dokumentarische Beitrag im
Wettbewerb war der mit dem 3sat Förderpreis ausgezeichnete Old
Choi's Film in dem Regisseur Bin Chuen Choi die letzten Wochen im
Leben seines krebskranken Vaters in sehr privaten Bildern zeigt.
Ob einer der Filme den Sprung in die Kinos oder wenigstens ins
Fernsehen schafft, ist fraglich, in einer Zeit, in der Vorfilme
praktisch nicht mehr existieren und TV-Nischen für Kurzfilme
Mangelware sind. Zu wünschen wäre es den meisten.
(Uli Ziemons)
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