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Fette Welt

BRD 1998 (Fette Welt) Regie Jan Schütte

Als vorletzter Film des internationalen Wettbewerbsvon Locarno und als dritter deutscher Beitrag in dieserKonkurrenz wurde Jan Schüttes "Fette Welt" im Festivalpalastaufgeführt. Die Geschichte aus dem MünchenerObdachlosen-Milieu schloß sich der Festivaltendenz an, sozialeThemen auf die Leinwand zu bringen. Dabei muß sich die Mehrzahlder Filme dem Vorwurf stellen, eher dekorativ mit ihrem Hintergrundumzugehen.

Von Jan Schütte konnte man mehr erwarten: In seinen dreibisherigen Spielfilmen "Drachenfutter", "Winkelmanns Reisen" und "AufWiedersehen, Amerika" zeigte er sich sehr aufmerksam für dieLebensumstände von Menschen am Rande, bewies ein Gespürfür soziale Gefälle und Schieflagen. Da weckt eineGeschichte um Obdachlose große Hoffnungen. Hagen (JürgenVogel), mit dem bezeichnenden Nachnamen Trinker, hat sich und allesaufgegeben. Wenn sein Freundkreis wieder aus einem netteingerichteten Quartier geprügelt wird, schaut er distanziertzu. Bis er auf die junge Judith trifft, die vor ihren Eltern abhautund bei den Obdachlosen landet. Sie legt das gute Herz im verlorenenTypen frei, macht aus dem besonders einsamen Wolf einen etwasgepflegteren Verliebten.

Liegt es daran, daß Schütte mit dem gleichnamigen Romanvon Helmut Krauser erstmals einen literarischen Stoff verfilmte? Dawo der Regisseur früher mit glaubwürdigen Menschenfesselte, scheitert er nun: Hölzerne, abgestandeneSzenesprüche, zuviel Schauspielerei bei den Hauptakteuren. Erstganz am Rande können einige Figuren interessieren. Zudem wurdendie Lebensumstände auf unverschämte Weise romantisiert.Roter Abendhimmel erwärmt die Szene, alle haben eingemütliches Zuhause, sei es im Rohbau oder unter einerBrücke. Ein Penner bekam sogar eine Wohnung vom Sozialamtausgestattet, die ihn allerdings depressiv macht! So stimmen wederFiguren noch Situation. Unter dem Kriterium der Authentizitätmüßte man hart urteilen: Schüttes "Fette Welt" isteine schmierige Welt, eine Schmieren-Tragödie.


Eine Kritik von GünterH. Jekubzik

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