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Dobermann

Fr 1997 (Dobermann) Regie Jan Kounen, 117 Min.

Hund beißt alle

Es ist ein Elend: Da springen einem die wildesten Bilder entgegen, gewagte Schnitte, zusammengewürfelte Splitscreen-Montagen und all diese Bildkraft, dieser Stilwille geht für eine weitere Drehung der Brutaloschraube drauf.

"Dobermann" ist extrem aggressiv in den Bildern und der Gewalt. Schon bei seiner Taufe erhält Yann eine erste Magnum und ein Dobermann jault an der Wiege. Nach einem furiosen Schnitt um den Lauf der Waffe sehen wir Yann (Vincent Cassel) als Erwachsenen, wieder mit der Magnum in der Hand, auf einen Geldtransporter zielend. Der Dobermann genannte Verbrecher Yann raubt in kraftvollem, gnadenlosen Stil. Mit einem Overkill an immer gewaltigeren Waffen werden modernste Sicherheitssysteme einfach in die Luft gejagt. Handgranaten gehören zum üblichen Spielzeug.

Yann kommandiert eine Gruppe übernervöser, drogenabhängiger Killer: Pittbull, Moustique und den Priester sehen wir beim Tennis: Wenn die Filzkugel noch vor dem Aufschlag von der Bleikugel durchlöchert ist, bekommt Bumm-Bumm eine ganz andere Bedeutung. Yanns taubstumme Freundin Nat (Monica Bellucci), Zigeunerin genannt, ziert eine besondere Lust an Waffen und Explosionen.

Auf Seiten der Räuber tummeln sich also schillernde Gestalten, die Polizisten sind hauptsächlich Deppen, nur der ultrabrutale Christini (Tchéky Karyo) kann locker mit den Brutalos mithalten. Er ist noch verdorbener, dreckiger - halt der typische schmutzige Cop, für einen Franzosen originell mit amerikanischen Sprüchen ausgestattet. Skrupellos und zynisch - wie überhaupt der ganze Film - verfolgt Christini auf eigene Faust, abseits der Polizeiroutine Yann. Nimmt dabei die Erniedrigung einer Familie in Kauf, deren Sohn, ein Transvestit, am Mittagstisch von Christini bloßgestellt, geschlagen und gedemütigt wird. ("Schwuchteln" nimmt der Film übrigens besonders gerne ins Visier.) Zuletzt erhält ein Baby eine Handgranate zum Spielen.

Als Gedankenfutter verbreitet "Dobermann" die Erkenntnis, daß "die Natur pervers ist: Jeder frißt jeden." Die wenigen Momente menschlicher Rührung liegen bei den Räubern und Mördern. (Christini ist "nur" ein Mörder.) Trauer gibt es um den Mops eines Gangsters. So stellt sich Dobermanns Handeln durchaus positiv dar: Es bringt ja so viel Spaß auf die Leinwand, etwa wenn der Fahrer des Geldtransporters aus der Scheibe fliegt und 'zig Meter über den Asphalt schrammt ...

Die große Schlacht findet passend zu Technosounds (die Originalmusik stammt von Schyzomaniac) im Club statt. Das Motto von Christini lautet: Knallt sie ab, ich will Leichen sehen. Regisseur Jan Kounen folgt diesem Motto von Anfang an exzessiv und schafft zum Ende sogar noch eine Steigerung in der Brutalität des Dargestellten.

So blutet diese Gangster-Story irgendwie im Kielsog von Tarantino (obwohl die Franzosen auch ihre Teufel in weißen Westen hatten) herum. Die ganze Szenerie erinnert jedoch an einen pubertären Wettkampf: Wer legt den brutalsten Film hin. "Dobermann" kommt dabei jedoch nicht an "Killing Zoe", der auch in Frankreich spielte, heran.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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