Die dreifache Locke
(Chacun pour toi / La triple carpate) Fr/BRD 1993, Regie: Jean-Michel Ribes, 106 Min.
Er kümmert sich um die Haare seines Viertels, aber vor allem um die Seelen seiner Kunden: Der Friseur Georges Flavier lebt zurückgezogen in seinem kleinen Salon am Rande von Paris. Das Georges etwas Besonderes ist, dämmerte dem unglücklich verliebten Gus schon anhand der vielen Signaturen von Filmstars. Ein Rundgang im Louvre, bei dem der Haar- und Lebenskünstler die gesamte abendländische Kunst als eine Funktion der Frisur deutet, bringt sein Genie in die Öffentlichkeit. Zusammen fahren Georges und Gus nach Karlsbad zur Weltmeisterschaft der Friseure. Dabei überzeugt George mit schlichter Schönheit, während die riesigen, mit technischem Firlefanz aufgerüsteten Haarkonstruktionen seiner Gegner nur mühevoll standhalten.
Ein Bild, das auch dem Film entspricht: Der einfühlsame erste Teil, geht liebevoll auf seine Menschen ein, die skurrile Gemeinschaft gibt der Begegnung zwischen George und Gus Halt und Fülle. Nicht nur der Schlachter, der sich durch die emporwuchernden Haarprachten seiner Geliebten in Stimmung bringen läßt, erinnert etwas an "Delicatessen". Die Welt des Viertels zeigt eine sympathische Gemeinschaft schräger Vögel, während die große Welt des Frisierwettkampfes mit schrillen Typen abschreckt. Hier vergaß Jean-Michel Ribes die Nähe zu seinen Figuren, hier führt er nur noch Clowns vor, die vielleicht ein Lächeln aber nicht unser Herz gewinnen können. Trotz einiger unruhiger Schnitte gelang dem Regisseur in seinem dritten Spielfilm eine schöne Komödie über die Kunst des Lebens.
Eine Kritik von Günter H. Jekubzik
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