The Crossing

NL/BRD/Dänemark 1999 (The Crossing) Buch und Regie Nora Hoppe, 91 Min.

Mit den Gelder der Filmstiftung NRW entstand ein wahrhaft multikultureller Film. "The Crossing" ist das Kuriosum eines in Westeuropa gedrehten, zentralasiatischen Films. In der Brüsseler Pension Bienvenue haust der Afghane Babak Jalali seit zwanzig Jahren. Am Tag der Pensionierung des kranken Hilfsarbeiters taucht ein mysteriöser neuer Mitbewohner in der Gemeinschaftsküche auf. In fünf Kapiteln, die mit Tages- und Mahlzeiten überschrieben sind, streifen beide Figuren durch ein poetisch fotografiertes Brüssel (Kamera: Walther vanden Ende). Der eine auf ganz konkreten Wegen, denn eine entmenschlichte Bürokratie verweigert ihm die Pension. Der andere scheint als unsichtbarer Beobachter die Atmosphäre arabischen Lebens in der Stadt aufzusaugen. Im türkischen Bad lauscht er Gesprächen, im verzaubert entschlafenen Männerclub sät er einen Traum. Nicht alle Szenen erschließen sich dabei, der Zusammenhang muss enträtselt werden. Erst am Ende wird eine gemeinsame Vergangenheit aufgerollt.

Fremde Musik, kaligrafische Schriftgemälde, Bilder voller Symbolik - "The Crossing" ist ein ungewöhnlicher Film für westliche Verhältnisse. Er erinnert an den armenisch-georgischen Filmemacher Paradshanov, an den Leningrader Sukurov an orientalische Erzählweisen. Es gibt klare Bilder, wie die Hände, die sich in einen Sack Hirse wühlen. Dann Kammerspiel zwischen zwei hervorragenden Darstellern (Behrouz Vossoughi, Johan Leysen), in dem die Fotos sprechen, es von der Decke schneit. Der Fremde - oft nur in seinen Spiegelungen gezeigt - weckt Erinnerungen an die Heimat. Ist er ein freundlicher Todesengel?

Ein spätes Geständnis klärt die Metaphernreihe um die Hände. Es wird kein Land genannt, die Hinweis auf Afghanistan sind da, aber zwanzig Jahre Krieg, Folter und Verrat sind auch allgemeingültig. Nora Hoppe, die lange als Regieassistentin von Lina Wertmüller arbeitete, realisierte einen handlungsarmen Film, dem es nicht immer gelingt, intensive Stimmungen zu schaffen. Ihr aparter Stil ist allerdings bemerkenswert.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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