Blood Simple - Directors Cut

USA 1984/99 (Blood Simple) Regie und Produktion Joel und Ethan Coen, 95 Min.

Mittlerweile gehören die Coen-Brüder Ethan und Joel zu den Erfolgreichen Hollywoods. Für "Fargo" heimsten sie 1997 den Oscar für das Beste Drehbuch und die Beste Hauptdarstellerin, eine Regie-Palme in Cannes und weltweit zahlreiche Preise ein. Deshalb ist es durchaus angebracht, ein Frühwerk wie "Blood Simple" noch einmal ins Kino zu bringen.


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Allerdings erweist sich in der Retrospektive "Blood Simple" nicht als "Ur-Faust" der amerikanischen Regisseur-Brüder. Für die kameratechnischen Kapriolen aus "Barton Fink" (1990) und "Hudsucker - Der große Sprung" muss man das andere Frühwerk "Arizona Junior" als Vorlage sehen. Aber vor allem der stilistisch dezente und doch außerordentlich stimmungsvolle "Fargo" erscheint wie eine Neuauflage von "Blood Simple".

Die Four Tops singen: "It's the same old song" und tatsächlich beginnt die Geschichte wie gewohnt. Der eifersüchtige Barbesitzer Julian Marty (Dan Hedaya) beauftragt den Privatdetektiv Visser (M. Emmet Walsh), seine Frau Abby (Frances McDormand) und deren Liebhaber Ray (John Getz) umzubringen. In der aufgeladenen Situation verglühen nicht nur Insekten an den Hochspannungsfallen. Jeder verdächtigt jeden. Ein verliebter Idiot versucht die vermeintliche Tat seiner undurchsichtigen Freundin zu vertuschen, was zu langem, quälendem Morden und einer grausamen Beerdigung führt.

Der bitter-schwarze Film zeigt sich beim Wühlen in tiefen Wunden blutig und raffiniert. Die verzweifelten kleinen Leute und der schwitzende Auftragskiller sind der Situation niemals gewachsen. Der gehörnt Gatte bleibt trotz der grimmigen Gesichtes lächerlich. Nicht mal wüten können sie richtig, sterben übrigens auch nicht. Das ist mittlerweile typisch im Film der Neunziger. Neben Frances McDormand, deren Können erst 13 Jahre später mit einem Oscar für "Fargo" gewürdigt wurde, spielen die Landschaften des Staates Texas und Fahrten über dunkle Straßen weitere Hauptrollen. Aber die Coens leisteten sich nur wenige der auffälligen Bildspielereien.

Normalerweise ist ein "Directors Cut" immer länger als die Studiofassung. Für ihren schnitten die Coen-Brüder jedoch vier Minuten aus dem Film, statteten ihn aber mit einem zeitgemäßen Dolby Digital-Sound aus. Die Brüder arbeiten zur Zeit mit der üblichen weitgehenden Arbeitsteilung an "Oh brother where art thou?", bei dem George Clooney ("ER") die Hauptrolle spielt.


Joel und Ethan Coen


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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