Bittersüße Schokolade

(Como Agua Para Chocolate) Mexiko 1992, R: Alfonso Arau, 89 Min.

Auf einen Küchentisch geboren, kann Tica gar nicht anders, als ihr Leben mit wunderbaren Gerichten zu führen. Nicht nur die Liebe, auch Schmerz, Haß und Eifersucht gehen bei Tica über den Magen. Vor allem als ihre Mutter Elena die Liebesheirat mit Pedro verhindert: Tica soll als jüngste Tochter die herrische Mutter bis zu deren Lebensende versorgen. Auch nachdem Pedro eine der älteren Schwestern heiratet, um in Ticas Nähe zu sein, können die Gefühle der gedemütigten Schönheit nur während köstlicher Mahlzeiten aufleben. Dann haben sie allerdings enorme Folgen für die ganze Familie.

Bereits in der ersten Szene reizen geschnittene Zwiebeln den Tränenstrom. Später führt eine von Ticas Tränen getränkten Torte in die Welt der Sehnsucht. Die sinnliche und tränenreiche Filmvergnügen ist ein liebenswerter Augenschmaus, etwas bescheidener aber dafür auch nicht so morbid wie "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" (läuft bis Sonntag im Diana).Die ereignisreiche Familiengeschichte wurde mit Elementen des magischen Realismus Lateinamerikas gewürzt und lebt von der wundergebärenden Kraft einer ewigen Liebe. Ganz anders als im toten "Geisterhaus" ändert sich für die zentrale Frauengestalt der "Bittersüßen Schokolade" tatsächlich etwas: Zeitgleich mit der mexikanischen Revolution revoltiert in Tica ihr individueller Anspruch auf Glück gegen die unterdrückenden Traditionen.

Regisseur Alfonso Arau weiß nach 25 Jahren Kinoerfahrung, daß Licht im Kino der Stoff des Sinnlichen ist und entfacht in besonders schönen Szenen ein Feuer der Liebe. Marco Leonardi, der Darsteller des Pedro, verdiente sich mit einer kino-verliebten Rolle in "Cinema Paradiso" bereits das Sahnehäubchen seiner Karriere. "Bittersüße Schokolade" erntete einen für mexikanische Verhältnisse enormen internationalen Erfolg. (Die Formulierung des Originaltitels "Como Agua Para Chocolate" wird in Mexiko verwendet, wenn sich jemand über alle Maßen über etwas erregt. Dann schäumt er 'wie Wasser für Schokolade'.)


Eine Kritik vonGünter H.Jekubzik

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