Bellaria - so lange wir leben
BRD, Ö 2002 (Bellaria) Regie Douglas Wolfsberger 110 Min.

Das Bellaria ist ein altes Wiener Kino, in dem die Zeit stehen blieb. Nicht allein zeigt sich das Interieur unverändert, hier laufen auch noch die alten Streifen. Filme, die Qualität haben, nicht nur Tsching-Bum wie heute - so sagt eine Besucherin. Die Dokumentation zeigt die Besucher des Bellaria, ältere Herrschaften, die sich am Abend fesch aufmachen zu einer Zeitreise: Hans Moser, Theo Lingen und Johannes Heesters waren damals die Superstars. "Der Vogelhändler" wird mitgesunden in diesem filmischen Altersheim, diesem lebendigen Museum. (Selbst im Projektionsraum arbeitet ein 71-Jähriger!)

Eingewoben werden die Erinnerungen vor allem der Damen, viele kleine besondere Porträts, denn die Besucher waren selbst oft Künstler. Sie alle leben in ferner Vergangenheit, sind Sonderlinge im Heute. Das ist manchmal schon ein wenig seltsam, etwa das Leben des Sohnes in der kaum veränderten Wohnung der verstorbenen Mutter, oder die Groupie-Zwillingsschwestern - schauriger als "Shining". Aber meistens zeigt sich der Film herzig und spaßig. Denn anders als beim - ebenfalls von der Filmstiftung NRW unterstützten "Cinemania" - begegnen wir hier den schrägen Figuren vorzüglich sympathisch. Mit Ausnahme einer Wiener Spezialität, der Ausländerfeindlichkeit. Die richtet sich aber nicht gegen die Magyarin Marika Rökk oder gegen Pola Negri oder ...

Die vielfach ausgezeichnete Dokumentation "Bellaria" verwöhnt mit Wiener Schmäh und Musik, vielen Ausschnitten alter Filme, darunter eine Menge Zarah Leander. Apropos Ausschnitte: Die Sammler dürfen nicht fehlen, die in ihren meterhohen Archiven auf- und untergehen. Und sogar recht lebendig taucht eine der Legenden von damals - Karl Schönböck - im Bellaria auf, schreibt Autogramme, über deren Verkaufswert sich die Damen im voraus freuen. Die treuesten Fans strahlen im Glanze ihrer Idole. Marika Rökk blieb hinter ihren Gardinen.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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