Amore, Amore

I 1996 (Il ciclone) Regie und Buch (Ko-Autor) LeonardoPieraccioni, 90 Min.

Erneut hat ein nationaler Film in Europa dem Brüllen deszweiten "Jurassic Park" getrotzt. Nach der türkischenBanditengeschichte"Eskiya" meldetauch Italien einen sensationellen Erfolg: Sechs Millionen Italienersahen bislang "Il ciclone", bei uns läuft er jetzt unter demungemein einfallsreichen Titel "Amore, Amore".

Eine Überraschung eigentlich, denn Leonardo Pieraccioniinszenierte und spielte eine kleine, bescheidene Geschichte. SeinLevante Quarini ist ein kleiner Buchhalter für kleineHändler in einem kleinen italienischen Dorf. Mit demerderschütternd schnarchenden Vater Osvaldo, demeinfältigen Bruder Libero und der heimlich lesbischen SchwesterSelvaggia lebt Levante auf einem kleinen Hof. Irgendwann blästder Wind das Schild zum benachbarten Hotel um, und eine Gruppespanischer Flamenco-Tänzerinnen entfacht den Wirbelsturm desOriginaltitels. Plötzlich funktionieren Fernseher und Handy indem bisherigen Funkloch. Die langbeinigen Frauen machen die Nacht aufdem Quarini-Hof noch schlafloser und heißer. Am nächstenTag erfährt die Truppe von einer Absage, die Reise geht weiter,Levante eilt hinterher, bei einem Essen kulminiert die Situation unddie Geschichte ist gelaufen.

Nicht viel, aber ganz nett: Die Figuren des Dorfes sind allegezeichnet vom Reiz verschrobener Originalität. DenGroßvater Gino sieht man nie. Selvaggio könnte vielleichtauf die gleiche Frau stehen wie ihr Bruder Levante. Die für dieHandlung relevanten Tänzerinnen sehen besser aus, als sietanzen, was sie sowieso selten genug tun. Scherze auf Basis derverwandten Sprachen Italienisch und Spanisch fallen in derSynchronisation vollständig aus.

Auch wenn letztlich eine Ablehnung der Italiener gegen ihreerbärmlich banale Fernsehberieselung konstatiert wurde, diesenette Nichtigkeit wird kaum eine Wende im italienischen Filmherbeiführen. Hinter "Amore, Amore" stehen die ProduzentenVittorio und Rita Cecchi Gori, die seit Jahrzehnten aktiv underfolgreich sind, aber auch so ziemlich alles realisieren. So zuletztden Cyber-Fiction "Nirvana" mitChristopher Lambert. Das ist ein anderer Ansatz als ihn etwa derfilmbegeisterte Nanni Moretti mit seinen Filmen("Mein liebes Tagebuch"),seinem Kino und seinen Rollen energisch verfolgt. Sehr symptomatischist der Erfolgsfilm - ganz wie in Deutschland - eine Komödie. ImGegensatz zu anderen neuen italienischen Filmen - wie zum Beispielder rasant fotografierte "Tutti giu per terra" - erzählt "Amore,Amore" nicht viel über das Italien von heute. Etwas von realenlinken Zeiten Italiens lebt nur in den Namen der Quarini-Kinderweiter. Der früher politisch aktive Vater Osvaldo raucht schonmal heimlich einen Joint, aber allen geht es gut, kein Grund mehrfür Politik oder Position in Sicht. Der einfältige Liberomalt reihenweise Bilder auf denen nach Gott gefragt wird. (Nach derNacht der Tänzerin wird daraus: "Gott war hier?") Ebensokönnte er nach dem früher so visionären italienischenFilm fragen.


Eine Kritik von Günter H.Jekubzik

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